Der Logik zum Trotz: Zweirad Stadler veranstaltet Einrad-Trainings

thomas
Einrad einer Heldin

Einrad einer Heldin

Die Firma externer Hyperlink Fahrrad-Stadler ist wohl der größte Fahrradladen in Deutschland. Die Firma hat ihren Sitz in Regensburg und betreibt von dort aus Filialen in allen größeren Städten Deutschlands, darunter auch in Berlin. Ihren Sitz in Berlin hat die Firma in den Hallen des ehemaligen Stellwerks Charlottenburg in der Königin-Elisabeth-Str. auf dem vormaligen BVG-Betriebsgelände gefunden. Dort wird es würdig eingerahmt durch eine Vielzahl von BVG-Betriebswohnungen und zuletzt noch ergänzt durch eine Filiale der Fa. Kaiser´s Verbrauchermarkt und den MSK Werkzeugshop Maske, den der Bruder der interner Hyperlink hier bereits vorgestellten Charlottenburger Originals Olaf Maske hier seit Jahren betreibt.

Dass die Firma in Regensburg sitzt und als größter Fahrradmarkt Deutschlands daherkommt, ist noch keine ungewöhnliche Begebenheit. Dass aber eine Berlinerin namens externer HyperlinkAndrea Hardy aus Berlin kommt und nun in Regensburg lebt, wohnt und arbeitet, schon eher. Das sind bemerkenswerte Begebenheiten. Obwohl: nicht nur in Regensburg arbeitet. Zwei Räder, die die Welt bedeuten, sagen Andrea Hardy gar nichts. Und so nimmt es Wunder, dass ausrechnet der größte Zweiradmulti der Republik solchen Artisten eine Workshopbühne bietet, die sich die Vernichtung des zweiten Rades von zweien auf die Bildungsfahne geschrieben haben. Andrea Hardy ist eine diplomierte Artistin und Inhaber diverser Awards auf dem Gebiet des Einradfahrens! Weg mit dem zweiten Rad und eins für zwei, das reicht aus. Aber nicht nur: Sie ist Artistin, Parodistin und Zauberin, lebt offenbar -kurz gesagt- vom künstlerischen. Schon die Eltern waren Artisten, 1979 kam Andrea Hardy in den Westen und irgendwie verschlug es sie nach Regensburg. Die Achse dieser Geschichte heißt daher: Regensburg – Berlin – und zurück. Und ‘Läufst Du noch, oder fährst Du schon’, lautet ein T-Shirt Aufdruck der Seminarchefhin.

Andrea Hardy - Läufst Du noch, oder fährst Du schon?

Andrea Hardy - Läufst Du noch, oder fährst Du schon?

Sie gründete 2005 die erste Einradschule in Regensburg und veranstaltete am 12.05.2005 den Weltrekord nebst Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde im Masseneinradfahren (1.142 ihrer Schüler schafften es, 500 Meter zu fahren ohne abzusteigen). Natürlich sitzt sie auch im Vorstand des Einrad-Verbandes Bayern e.V. und ist dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Man kann das so zusammen fassen: Andrea Hardy ist auch ein Stück geballte Öffentlichkeitsarbeit.

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Okay, derart vorbelastet, mag es nicht mehr verwundern, wenn mit Andrea Hardy in Wirklichkeit eine Art ‘Popstar der Einradbranche’ vom größten Fahrrad-Filialisten Deutschlands eingekauft wird, um dem Berliner Nachwuchs das Einradfahren beizubringen. Fahrrad Stadler veranstaltet also Einradworkshops, und die Teilnehmerzahl der Kurse bewegt sich jeweils bei ca. 15 Teilnehmern. Jeder Teilnehmer zahlt rund 30,- € Obolus, damit sich die lange Anfahrt der Radartistin auch irgendwie lohnt.

Als passendes Trainingsgelände ist die Teststrecke von Fahrrad Stadler etwa hälftig abgesperrt an jenem Samstag, damit die kleinen (und größeren) Kombattanten mit dem Einrad nicht in unachtsame Testfahrer von neuem Fahrgerät am verkaufsoffenen Samstag hinein fahren. Weder die Einradfahrer im Workshop, noch die übrigen Kunden von Fahrrad Stadtler auf dem Rest der Teststrecke kommen sich so ins Gehege. Wiewohl das gesamte Ambiente recht verlockend erscheint: Denn zu größeren Teilen ist an der Teststrecke eine Art endloses Transparentwesen aufgehängt, auf dem der Red Canon mit dem Great Canyon abwechselt und wer die aufgehängten Transparente für bare Münze, also lebensechte Umgebung hielte, begäbe sich geradezu auf einen ‘highway to hell’ (AC/DC), nämlich -klatsch- an die Wand. Die Transparente verhängten die hässlichen Metallgitter-Konstruktionen der Lager von Stadtler und auch die schmucklosen Wandflächen. Dass die Transparente schon Schaden genommen haben, liegt schließlich nicht allein an späteren Einradartisten im Seminar, sondern auch an unkundigen Fahrradtestern. Nicht auszudenken, wie viele verschwitzte Hände schon an den Großformatfotos langgeschubbert haben, dass diese jetzt so ein bisschen stark abgenützt aussehen, verwundert uns nicht.

Erste Versuche, zu zweit

Erste Versuche, zu zweit

Die ersten Versuche, auf einem Einrad zu fahren, und nur wenige Meter, aber immerhin, fallen recht wacklig aus. Das Aufsteigen allein schon ist eine Kunst, und wer es geschafft hat, denkt eventuell noch einmal nach über die ‘Achse des Bösen’: Das ist die gedachte Fluchtlinie zwischen den Pedalen und dem Sitz obendrauf. Gerät diese Achse in Schieflage, kippt die ganze Apparatur nach hinten, und manchmal auch nach vorne. Der Teilnehmerkreis ist durchmischt: Allerdings überwiegen kleine, süße und zarte Mädchen. Am Ende der Alterspyramide sind große männliche Mittdreißiger, bei denen sich der Schweiß vom Training hinten auf dem T-Shirt deutlich abzeichnet. Eine Mutter ist mitgekommen und dass sie die von einem bestimmten Mädchen ist, ist beiden ob ihrer großen Ähnlichkeit deutlich ins Gesicht geschrieben. Alle Teilnehmer oder deren Erziehungsberechtigte müssen eine Art Freizeichnungserklärung unterzeichnen, damit ein Verzicht auf denkbare Ansprüche auch schriftlich fixiert ist. Es empfiehlt sich, genügend Protektoren und einen geeigneten Helm mitzubringen. Einradfahren kann schon mal mit blutigen Blessuren, speziell an den Extremitäten, am Ellbogen, enden. Eine blonde Elfjährige hat schon welche eingeheimst, und doch gilt sie am Ende des Kurses als Fortgeschrittene. Sie hat es drauf. Das Programm am Samstagvormittag beginnt um 10 Uhr und soll eigentlich um 13 Uhr zu Ende sein. Am Ende packt Andrea Hardy noch eine halbe Stunde Verlängerung obendrauf, denn am Anfang haben die Teilnehmer sich irgendwie zu sehr ausgenödelt und die Zeit vergessen.

Es ist ganz schon was los auf der Rotunde, auf der die Teilnehmer immer wieder unermüdlich ihre Runden ziehen. An der Wand entlang hakeln und zittern jetzt vier Teilnehmer entlang. Ganz vorn ein junger Beatnick, vielleicht neun, mit so was von langen Haaren, das er kaum noch ungestört nach vorne blicken kann. Seine Bremsversuche sind immer auch ein Stück Einrad-Schleuderwurf und wer von den wartenden Eltern nicht aufpasst, kann schon mal ein Einrad in die Hacken geschleudert bekommen. Überhaupt sind die (wenigen) Jungs anders drauf, als ihre gleichaltrigen ‘Schwestern im Geiste’. Schon im zarten Alter bilden die Teilnehmer unterschiedliche Charaktere deutlich aus: Die Verzagten, die Leisen, die Frechen, die Übermütigen, die Geselligen – sie alle sind vertreten. Auch die Zicken, die laut losheulen, weil ihnen was nicht gelingt. Doch das gehört zum Spiel. Andrea Hardy ist zu bewundern, sie hat in der kurzen Zeit die Namen der überwiegenden Teilnehmer schon im Kopf und ruft nach hinten, eilt nach vorn und nimmt immer wieder unterschiedliche Menschen unterschiedlichen Alters in den Artistengriff, eine Art Hilfsgriff, um das Aufsteigen zu erleichtern oder das unabsichtliche Absteigen unmöglich zu machen. Was sie vor allem vermittelt, ist: Sicherheit:

Es ist was los auf der Rottunde

Es ist was los auf der Rottunde

Die Rotunden-Teilnehmer sind auch ‘Cliffhanger’, man grabscht in die steilen Felswände des Grand Canyon und versucht, sich an Klippen festzuhalten auf der fotografierten Landschaft der Grossdisplays an der Seitenwand. Obendrauf sieht man die Verpackungen von Fahrrädern und Teilen, die vorn, beim Zweirad Stadler im Dutzend wegverkauft werden.

Andrea Hardy ist Assistentin des Glücks einer Vielzahl von kleinen Seminarteilnehmerinnen, die darauf brennen, das Einradfahren endlich problemlos zu beherrschen.

Andrea Hardy - Assistentin des Glücks

Andrea Hardy - Assistentin des Glücks

Am Ende des Programms gegen 13:30 Uhr stellen sich die Teilnehmer des Kursus noch einmal für ein Gruppenbild zusammen. Zuvor hat sich Andrea Hardy in langen, handgeschriebenen Listen den Übungsfortschritt und den ungefähren Kenntnisstand ihrer Teilnehmer notiert, und wer seine Emailadresse da lässt, kann künftig mit einem newsletter rechnen. In den Aktualisierungen verschickt Andrea Hardy jeweils die neuen Seminartermine. So kann sie einerseits auf vergangene Teilnahmen zurückgreifen, über die sie Notizen hat und andererseits den Kundenstamm noch erweitern.  ‘Ich hatte locker mehr als 2.000 Schüler bisher’, sagt sie auf Anfrage meinerseits und das glauben wir. So viele Routine bei der schmerzfreien Erarbeitung von Einradwissen haben wir auch in anderen Seminarsparten noch nicht gesehen. Es war ein spannendes Programm und offenbar lädt es einige dazu ein, bereits über den nächsten Termin nachzudenken. Na dann, viel Erfolg beim Üben. Und die Schoner nicht vergessen.

Abschlussfoto

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