150/10: Frisch aus Neukölln: Was Massagebranche und Körperinstituten fehlt, ist Beständigkeit

thomas
Institut für Körperarbeit & Massagen

Institut für Körperarbeit & Massagen

So war das: Ich war hochinspiriert und dachte an nichts Böses. Es war sozusagen Kommissar Zufall. Während ich in Berlin-Neukölln zufällig die Straße entlang schlendere, stoße ich auf dieses Schild. Institut für Körperarbeit & Massage. Im Erdgeschoss-Fenster angebracht, also auch für ältere Semester (Generation 40Plus) wie mich gut erreichbar. Prima, denke ich, endlich mal jemand, der auch an mich denkt.

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Massagestudio im Erdgeschoss

Massagestudio im Erdgeschoss

Ich suche das Erdgeschossfenster genauer ab. Nichts dahinter zu sehen. Diskret, denke ich. Gut so. Inspiriert zu meiner Neugier hat mich ein Besuch bei einer thailändischen Massagefrau. Darüber berichtete ich hier zutreffend. Ich hatte diesen Besuch noch in guter Erinnerung und es war ganz, ganz schön. Und doch, als ich das zweite Schild sah, war ich erst einmal verunsichert. Ich traute mich nicht, spontan zu klingeln und einen Preis “für Laufkundschaft” zu vereinbaren, nach dem Motto: Jeder neue Kunde ist ein zufriedener  und das bestimmt auch den Preis.

Später fielen mir meine fotografischen Schnappschüsse wieder in die Hand und nun dachte ich darüber nach, ob es richtig war, so vorsichtig zu sein und nicht den erstbesten Laden zu stürmen, um mein vergnügliches Thaistündchen mit europäischem Schwerpunkt noch einmal zu wiederholen? Mir fiel auf, dass es sehr schwierig sein kann, sich angemessen zu informieren. Das Studio für Körperarbeit, also für Massagen, soll auch eine Internetseite haben, wird von google zumindest behauptet. google zu widersprechen, das dürfte lächerlich sein. Die Webadresse soll so heißen. Schon die Namensgebung ließ mich bereuen, dass ich gezögert hatte. 1A-Massagen, wer wünscht sich das nicht? Der Besuch dieser Website jedoch enttäuschte: Meine Anfrage wurde einfach umgeleitet auf einen redlightserver, wobei ich derartige Server nicht kenne. Die Antwort: >>Diese Seite existiert nicht mehr!. Schade. Ich hatte mich schon drauf gefreut.

Und diese Namensgebung! Ist ein redlightserver einer, der auf Störung gegangen ist? Wo das rote Licht blinkt oder dauerleuchtet, und am Ende ein Fall für die Neuanschaffung eines neuen? Aber welcher Blödkopf  Kopf ist auf diese Namensgebung gekommen, wenn der Server doch funktioniert und sogar bekanntgibt, dass nur die entsprechende Homepage, die auf dem Server gehostet ist, weg ist – geschlossen am Ende wegen Betriebsaufgabe? Was soll das, denke ich, ich habe doch das Schild vor paar Tagen noch da hängen gesehen?

Es gibt ja im Internet keine Webadresse ohne günstige Alternativen. Eine weitere allerdings erschien mir doch anstößig, wenn ich auch eine “Pension Diamant” aus Erzählungen über Bekannte von mir gut kenne. Dort soll sich jemand regelmäßig rumgetrieben haben, den ich schon seit anno zwirn kenne. Bevor ich jedoch das Ding nicht aus eigener Erfahrung kenne, werde ich mich hüten, über meinen Bekannten zu berichten. Diese Pension bietet allerdings keine Massagen an, las ich, sondern www.schmusemodelle. OK, klicken kost nüscht, dachte ich, und -pardauz- schon wieder: >>Diese Seite existiert nicht mehr! – Antwort ebenfalls von besagtem redlightserver. Der redlightserver, so dachte ich mittlerweile, wird bestimmt vom Berufsverband der Masseure und medizinischen Bademeister zur Verfügung gestellt, um der knetenden Branche gute Websites für wenig Geld anzubieten. Das mit der Massage kann ich knicken, dachte ich, aber bekanntlich sind es immer mehrere Versuche, zumindest drei davon, um ein Vorhaben wie dieses endgültig aufzugeben! Schlau, nicht?

Dieselbe Seite, die mir die “dead links” ins Nirvana präsentierte, hatte immerhin eine sorgfältige Überschrift benützt:

“Hier eine Liste von (Verkehrsberichte) … Etablissements, die ohne Stufen oder nur mit einer niedrigen Stufe zu erreichen sind:”

Ich weiß zwar nicht, was Verkehrsberichte sind, aber Etablissements ohne Stufen, ergo ohne Schwellenangst, das kommt mir erst einmal positiv vor. Schließlich ist es schon ein Akt der Überwindung, einen Masseur aufzusuchen, wenn man dessen Stil nicht kennt. Vertrauenswürdig müsste er (oder sie) sein, professionell und diskret. Der nächste Link führt vermutlich zu einer Tanzschule, denn der Name ist: Ginas Tango Rosa und ebenso soll die Website heißen. Nach einem Mausklick bin ich schlauer: auch diese Website existiert nicht mehr.

Es ist beklagenswert, wer ein Körperinstitut aufsuchen möchte, weil der Rücken verspannt ist oder sonst welche Zipperlein im Körper hausen, der hat es in Berlin gar nicht mal so leicht. Scheinbar ist die Massagebranche weit weg von Beständigkeit, Bodenständigkeit und angestammten Betriebsniederlassungen. Alle Monate wechseln die Adressen, nicht nur im Internet. Ein “Körperinstitut”, das gleichzeitig auch kundige Massage bietet, habe ich auf diesem Weg leider nicht gefunden. Ausgesprochen doof finde ich auch die verwirrende Namensgebung mancher Massageinstitute. Ich bin doch nicht blöd, dachte ich, aber was hat Massage mit Tango und Schmusen zu tun? Ich muss es denen mal schreiben:

Dass man nie Kunden findet, wenn man sein Massagestudio verwirrend benennt. Wir nennen uns ja auch nicht Hauswart GmbH, und müssen forthin zum Treppen sauber machen, auch wenn wir hier und da schon mal so behandelt wurden. Nein, nein, ganz ausgeschlossen: Man muss so ein Massagestudio als das benennen, was es ist.  Ich halte einfach meinen Mund, denn es ist weder meine Aufgabe, die Angehörigen der massierenden Berufe von Betriebswirtschaft zu unterrichten, noch nützt es meinem kranken Rücken etwas, wenn die wissen, dass ich sie gern besucht hätte, hätte ich nur den Weg zu ihnen gefunden.

Die einheitliche Namensgebung der Server im Internet macht es denen doch vor, manchmal nur etwas verzerrt durch Anglizismen: ich bin nun dreimal auf einem redlightserver gelandet und habe vergeblich nach Massagen gesucht. Die Ursprungsadresse, zu der mich google hingeleitet hatte, heißt: rotlichtmodelle.de. Ich beginne langsam zu begreifen: Massagen haben was mit Rotlicht zu tun! Man muss ganz einfach vernetzt, in Zusammenhängen, denken, um auf die richtige Antwort zu kommen. Sie ist bestechend einfach: In vielen Massagestudios wird auch das Bestrahlen mit Rotlicht angeboten. Na klar, so einfach ist die Welt. Dass ich da nicht gleich drauf gekommen bin!

In Zukunft verlasse ich mich dabei wieder mehr auf qype.com. Denn der beste Ratgeber ist immer noch “Volkes Mund”, und da es dort viele User gibt, kann ich über die Suche nach Masseuren etliche finden, die zu beanspruchen weder Verwechslungsgefahr birgt, noch allzu viele Treppen zu steigen beinhaltet. Versuch’s auch einmal. Der Gesundheit zuliebe….

Weiterführende Links

Trau, schau, wem - gesichtspunkte.de

 


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