152/10: In eigener Sache: Bitte recht unfreundlich! mugshots als Quotenbringer!

thomas

“Dann entdeckten findige Kleinverleger die Polizeiarchive, im letzten Jahr schossen „Mugshot Magazines“ wie Pilze aus dem Boden: Binnen Wochen wurden Blättchen voller örtlicher Polizeifotos wie „Busted“ (Hochgenommen), „Cellmates“ (Zellengenossen) und „Gotch-Ya“ (Hab dich!) zum Renner.” (Faz.net, Bitte recht unfreundlich, hier)

In eigener Sache fühlen wir uns angesprochen, wenn wir heute in der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung “blättern”. War die Schaffung der Website mugshooting.de sozusagen eine inspirierte hochtrendige Angelegenheit? Billig allerdings: Jetzt machen uns die Amis wieder alles nach. Es ist fast wie nach dem deutsch-französischen Krieg (1870-1871): als wir seinerzeit Naturkautschuk aus unseren deutschen Kolonien importierten und diesen in Streifen schnitten und mit Pfefferminz versetzten, kam kurz danach ein amerikanischer Mann namens Wrighley und behauptete, den Kaugummi erfunden zu haben. So sind sie, die Amis.  Es geht ums Prinzip dieser Website (mugshooting.de), die vor einiger Zeit ins Leben gerufen wurde. Vorgestellt werden Fotos aus allen Stadtteilen Berlins, nicht weil sie sozusagen Weltklasseniveau haben. Sondern weil sich mit ihnen kleine Geschichten des Alltags verbinden, oder auch größere Themen. Wurscht.

***

Die Koordinaten von derartigen Artikeln sind immer gleich: Es gibt ein Foto, dazu einen Text und die Verschlagwortung auf einen Straßennamen. So entstünde später einmal, Eile mit Weile, gelassen bleibend, eine Art virtueller Stadtplan von Berlin, in dem man nach Straßennamen und hier und da auch nach fetzigen Texten schauen kann. Nicht jeder Text wird Weltniveau erreichen, kann man mutmaßen. Das Gesamtgebilde ist möglicherweise interessant. Wir warten weiter ab, wie sich das Kind entwickelt.

Dass das Prinzip mugshots einzusetzen (siehe oben) für steigende Zugriffszahlen sorgt, ist uns teils bekannt. Besser als diese Seite ist die Website gesichtspunkte.de mit deutlich höherem Textschwerpunkt besucht. Neu entstanden ist jetzt noch die Partnerwebsite bekenntnisblog.de, die der Website gesichtspunkte.de behilflich sein soll, mehr bei ihren Themen zu bleiben. Denn so ist das im Lese- und Besuchsverkehr. Seit Einführung des Passierscheinabkommens zwischen zwei vormals existierenden deutschen Staaten, deren einer inzwischen wieder abgeschafft wurde, ist uns das Passierscheinwesen sehr vertraut: Man geht auf Websites mit Erwartungen (Passierscheinen). Schon damals war es verboten, den Großbereich Berlin zu verlassen, wenn man ihn zuvor nicht ausdrücklich “mit gebucht” hatte. Sperrgebiet Verständnisferne. Jemand, der eine Website eines bloggenden Verwalters (be)sucht, möchte bestimmte Themen lesen und erfahren, was den Erlebnisbericht eines bunten, beruflichen Lebens wie diesem insbesondere ausmacht.

Dieses Ziel verwässern die thematischen Abseiten. Aus diesem Grund hat Thomas Gotthal jetzt das Bekenntnisblog ins Leben gerufen. Um themenabseitige (abwegigere) Stränge auf einer extra Website aufzugreifen. Wer bloggt, ergo schreibt, hat die Nase streng im Wind und möchte gelesen werden. Das in den richtigen Kanälen zu tun, ist wichtig.

Es ist ein bisschen wie bei Faz.net berichtet wird und doch sehr viel diskreter: Alter, Größe, Gewicht und Verhaftungsgrund spielen bei der Berichterstattung über den Webseiten-Besucher des Blogs keine Rolle. Diese wesentlichen Eckdaten der Besucher werden weder durch Website-Statistik, noch durch andere geheime Auswertungstools erfasst. Niemand wird wegen seiner Religion, Hautfarbe, Nationalität oder Herkunft benachteiligt: So steht es schließlich im Grundgesetz.


Eine Antwort to “152/10: In eigener Sache: Bitte recht unfreundlich! mugshots als Quotenbringer!”

Antworten

Security Code:

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de