301/14: FotoPodcast: Beim Brummi-Imbiss am Westhafen – vom „meat´n greet“ (Fleisch treffen)

Bloggwart

_icon.Foto.Podcast

Italienisches Eis - VW Bus am Westhafen

Italienisches Eis – VW Bus am Westhafen

Mit google nose steht den Internetnutzern die nächste technische Revolution ins Haus. Wenn auch nicht alles Wurst ist, was riecht, so gibt es doch einen richtiggehenden Bedarf fürs Geratewohl der eigenen Nasenflügel. „I put a smell on You“, so könnte man es beschreiben. Was Videos angeht, ist Youtube state of the art oder Vimeo, für Audiodateien gibt es jetzt z.B. Soundcloud. Für Gastronomierezensionen bietet sich hingegen „Dunstcloud“ an, doch ehrlich gesagt „gips das noch gar nicht.“

Man kann den Geruch einer Gegend (noch) nicht ins Netz stellen. Überhaupt: Wo ich hier bin, ist alles irgendwie „so Siebziger“. Bzw. Sechziger. Oder Fünfziger. Auf jeden Fall nicht „JETZT“. Hier ist die Echtzeit stehen geblieben und was ich hier gewahr werde, sind Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Hier in der Westhafenstr. leben sie wieder auf. Die „guten alten Zeiten“ und ich spreche nicht von Heinz Erhardts „guten alten Bekannten“.

Wohl aber lassen sich ein paar Fotos  heute vorzeigen, darum geht es mir. Um „dufte“ zu sein, bedarf es daher ergänzender Worte, als Blümeranzen gestreute „Duftmarken“. Im Grunde bin ich hochgradig neugierig: Ich wollte schon immer mal den Westhafen und das Westhafengelände eingehend besuchen, inspizieren und erfahren, worum es auf diesem Gelände eigentlich geht? Haben wir als Berliner überhaupt eine „Hafenkante“, sind im Umkreis von „Le Havre“ lauter Rotlichtschuppen mit tätowierten, dicken Zugehfrauen? Oder findet hier nur dröges „business as usual“ statt. Anstatt…

Frittenfett, einerseits. Gerüche vom Leben, also nach älteren Begebenheiten, so wie wenn einer in die Hose gemacht hat, additiv. Jedenfalls nicht nach Orchideen ist der Duft hier. Schnitt: Am Brummi-Imbiss riecht es anders, hier ist Frittenfett -Bratfett- dominierend, lieblich, saumselig in der Nasenbehaarung. Hier am Ort und unter einer ganz eigenen, also etwas anderen „Dunstcloud“ steht dieser Imbiss nach Auskunft der Betreiberin „seit 25 Jahren“ und ernährt die Laufkundschaft.

 

Frittatenportion bleibt Frittatenportion. Und Bratfett Bratfett.  (Meat´n greet! – Fleisch treffen) #Credo #Oeuvre

Man kann ihn reineweg übersehen.

Denn die Westhafenstr. 1 ist großes Brimborium in einer Seitenstraße. Wer hierhin kommt, hat einen Plan.

Sie sagt, sie hätte viel Stammkundschaft, die Mitarbeiter vom angrenzenden Hafengelände. Von der U-Bahn-Station kommen fußläufige Fressgäste.

Oder einer, so wie ich. Aha, ach ja, Hunger, da ein Imbiss.

Brummi-Imbiss? Okay, das klingt jetzt erst mal nicht so prickelnd.

Ich werde hier Zeuge von echtem Kiez. Eine ist da, die sieht man hier auf den Fotos gar nicht, über die haben sie vorher hier geredet. Weil ich sie nicht zeige, kann ich über sie schreiben. Sie ist immer hier. Sie ist so schätzungsweise Mitte 60, Rentnerin, in Schlurfsachen, rosa, weiter Pullover, Joggerpumphosen, Latschen, das graue Haar wirr wie der Blick. Sie redet immer von diesem und jenem. Ihr Mann ist schon seit mehr als zehn Jahren tot, und sie sagt ständig, er sei gerade verstorben.

Seit sie alleine ist, ist sie nicht ganz bei sich.

Die Andere ist Objekt meiner Neugierde, Wissbegierde.

Sie greift sich schnell die herumliegende Zeitung.

Alle anderen vorbei kommenden Fressgäste sind ihr unweigerlich ausgeliefert. Sie quatscht jeden so von der Seite an, versucht sich interessant zu machen. Sie „blubbert“ rum, dummes Zeug, immer auf Aufmerksamkeit bedacht. Wer wollte, könnte gleich mit ihr Gut Freund werden. Wozu?

Lieber nicht.

Distanz ist die Königin der Mayonaiseverpackung. „Kann ich etwas mehr Mayo haben?“, frage ich. „Na klar, iss Jold für die Hüftn´.“ „Ja, klar. Ach, heute iss ejal.“

So ne richtige Curry mit Pommes. Das Essen besteht aus fertigen Zutaten, und so schmeckt es auch. Nicht schlecht, unbedingt, aber eben erzeugerartig, aus fertigem Ketchup ohne persönlichen Pfiff. Bei Curry 36 am Mehringdamm ist Ketchup in Literflaschen käuflich zu erwerben, hier steckt er in Plastikflaschen, die aus Großgebinden abgefüllt werden.

Man kann über die Dame, der der Brummi-Imbiss jetzt seit drei Jahren selbst gehört, nichts Negatives sagen. Sie gibt sich Mühe, es ist ihre Existenzgrundlage.

Für ihre Gäste kann sie nichts, denn sie ernähren sie mit Micropayment, Kleinstbeträgen, die über die Theke wachsen.

Iss ja auch Wurst. Ich will jetzt hier weg, seit sie da ist, aber weil ich ihr Bild veröffentliche, muss ich aus Gründen, die ich aus Datenschutzgründen nicht öffentlich erörtern kann, eine weitere „Dunstcloud-Beschreibung“ (siehe oben) hier unterlassen. Das schickt sich nicht.

Grund genug zu fliehen gibt es. Auf der anderen Straßenseite parkt ein alter VW-Bus „Italienisches Eis“, so einen wollte ich doch immer haben.

Dass er hier steht, ist mir ein herzliches Willkommen in meiner Welt wert. Ich mache ´ne Fliege. Brummi Imbiss, brumm brumm, ich habe hier viele Laster gesehen, aber wenige Lastwagenfahrer, von daher, Fly, Robin fly, summ summ…summernight….allright, gerade noch die Biege bekommen!

Mein Herz gehört der italienischen Eisrevolution der Siebziger Jahre…azzuro! ♪♫♂♫♪♫♪


Eine Antwort to “301/14: FotoPodcast: Beim Brummi-Imbiss am Westhafen – vom „meat´n greet“ (Fleisch treffen)”

Antworten

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben.

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de