Mai 11 2009

Spatz – Hand – Taube – Dach: Flugratten

thomas

Spatzen auf der Hand

Es ist nicht wahr, dass jeder Berliner etwas gegen Vögel einzuwenden hat. Der Berliner an sich unterscheidet fein zwischen ‘so nen’ und ‘solchen’. Sicher hat Berlin wie viele andere deutsche Großstädte auch ein Taubenproblem. Gegen diese ‘Ratten der Luft’ (so jedenfalls eine lokal oft benützte Redewendung) werden vielerlei Maßnahmen ins Feld geführt. Und aufgrund von Vorbehalten der ‘kritischen Öffentlichkeit’ inzwischen vergleichsweise handzahme. Die groß angelegte Taubenvernichtung ist inzwischen politisch passé und wird nicht mehr akzeptiert. Taubenvergrämung ist auch kein schlechtes Wort und umschreibt, wie eine ganze Branche an den fetten Federtieren viel verdienen kann. Ganze Fassaden werden mit Stacheln bespickt, Anlandungserschwernisse. Ganz anders die Berliner Spatzen. Sie werden allgemein für erstens frech und zweitens auch ‘süß’ gehalten. Auf einer Schiffspassage über die großartigen Binnenkanäle der Stadt ereignet sich die hier bebilderte Anflugsituation. Ein kleines Mädchen hält die Hand auf, packt ein paar Brotkrumen drauf und fertig ist der Futterplatz. Das spielt sich in der im vorigen Artikel bezeichneten Schleusen-Warteschleife mit eingeschränkter Haftung ab. Nun ist es nicht die Aufgabe dieses Fotoblogs, derartige Zustände zu kritisieren. Den Spatzen geht es gut und was man nicht sieht: im Hintergrund warten schon die fetten Tauben und denken, sie werden etwas abbekommen. Pustekuchen. Gefüttert werden nur die kleinen braunen Flugvögel. Wie zutraulich sie sind, sieht man auf dem Foto. Unglaublich. Aber wahr. Und trotzdem keine Sensation.

Der Spatz in der Hand ist uns nämlich doch um einiges lieber und vor allem auch die Taube auf dem Dach. Würde die uns so anfliegen, aber hallo….


Mai 11 2009

Wehret den Anfängen: die Haftungsfreistellung

thomas

Die Haftungsfreistellung

Das wäre ja noch schöner: Eingeschränkter Winterdienst! Der öffentliche Mob stellt sich frei von Bedenken gegen seine Schneeräumpflicht. Erst einmal ist das heute kein Problem: Die Teilnehmer einer Schiffspassage holen sich eher einen Sonnenbrand. Es ist der 09. Mai, und wir sind am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal (Invalidenstr./Ecke Heidestr., Schleuse). Die Schleusenbediensteten haben vorsorglich und ganz kurz vor Eisheiligen (aha!) die Schneeräumpflicht -ganzjährig auf festem, weißen Blech- eingeschränkt. Zwei Passagiere am Dampfer ulken bei einem Berliner Hopfengetränk um die Wette, wogegen wir uns mit derartigen Schildern noch so alles versichern können. Eingeschränkte Hausverwaltung? Unmöglich, von uns wird sicher anderes erwartet. Eingeschränkte Hausreinigung? Da werden die Hausbewohner nicht mitmachen. Eingeschränkte Zuverlässigkeit? Geht nicht, dagegen gibt es weitreichende Sanktionsrechte. Schon schwant uns von Mietminderungen, Schadenersatzansprüchen und Rückzug unserer gesamten Kundschaft in die Berliner Feuchtgebiete rund um den Deutschen Reichstag. Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön. Wir beschließen  mit den übrigen Passagieren, dass wir uns der Frage einer möglichen Einschränkung unserer Verantwortlichkeiten heute jedenfalls nicht mehr mit befriedigendem Endergebnis nähern dürfen. Es gibt eben Dinge, die müssen an Tagen wie diesen getrost mal unentschieden bleiben.


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