Dez 16 2008

Katzenjammer

thomas
Katzenjammer, Netz und Brücke

Katzenjammer, Netz und Brücke

Unser Fußweg durch die Daumstr. in Haselhorst (Berlin-Spandau) führte schon an rostroten Spundwänden vorbei, ein Trost war dort das frische Rot der rankenden Blätter. Nur wenig später, und auf derselben Straße, laufen wir an diesem Balkon vorbei. Sofort weckt das Vorgefundene unsere Hausverwalter-Seele. Wir fragen in unseren Gedanken, einer inneren Punkteliste folgend, katalogartig Kriterien unseres Berufs nacheinander ab. Wir würden sehr gern eine ausgewogene Entscheidung über wild angebrachte Katzennetze dringend entwerfen. Ist das eine Mietwohnung? Natürlich! Ist das eventuell eine Genossenschaftswohnung? Nein, eher nicht, hätte nicht ein Mitglied (ein Genosse) erweiterte Rechte ggü. einem ganz gewöhnlichen Mieter? So ein Recht auf eine ‘skurrile Außengestaltung’ des außen gut sichtbaren Balkons? Richtig, jeder Balkon ist irgendwie auch von außen gut sichtbar ans Haus angebracht, das ist ja der Sinn dessen. Wir grübeln noch eine Weile, und dann beschließen wir, wie ein chinesischer Philosoph zu denken. Einerseits wissen wir, dass wir uns hier nicht einzumischen haben, und das verschafft spontan eine recht erhebliche Erleichterung. Andererseits: konsequente Verfolgung des Rückbauanspruchs gegen den Mieter löst sofort törichte Gefühle aus, zumindest in uns. Ist es am Ende nicht besser, wenn wir doch nicht jedes Haus verwalten? Schließlich sind Katzen liebe, wichtige und tolle Weggefährten…


Dez 16 2008

Rostrote Spundwand, Daumstr., Haselhorst

thomas
Rostrote Spundwand, Daumstr., Haselhorst
Rostrote Spundwand, Daumstr., Haselhorst

Die rostrote Spundwand liegt auf einem Fußweg links und wir laufen dran vorbei. Die Gegend ist im Ergebnis des zweiten Weltkriegs weitläufig neu bebaut worden. Die Stadtplanung zeitigte ihre Nöte. In den Fünfzigern und Sechzigern des vorigen Jahrhunderts wurden ganze Straßenzüge mit sozialem, öffentlich gefördertem Wohnungsbau bebaut. Die Wand hat praktikable Funktionen: so wie viel von dem sichtbaren Straßenmobiliar Funktionen erfüllt. Als Lärmschutzwand oder als Wall wider einer dahinterliegenden Sandabböschung. Egal. Der CDU-Abgeordnete Uwe Lehmann-Brauns hat Mitte der 80iger bereits beklagt, dass das vorhandene Stadtmobiliar zum Umwerfen hässlich ist. Es zählt nur die Funktion, nicht aber die Ansicht. Wer drauf sieht, bekommt Augenschmerzen. Auch die sich den Weg brechenden Pflanzen, wie dieser feuerrote wilde Wein achten nicht auf Ton-in-Ton-Feinabstimmung. Rot und rot beißt sich gern. Das rostige Rot gegen das natürliche Rot der Kletterpflanzen. Dazu gesellen sich geistreiche Sprüche, die junge Graffitysprayer heimlich hinterlassen haben. Heimlich? Von wegen….


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