Katzenjammer
Unser Fußweg durch die Daumstr. in Haselhorst (Berlin-Spandau) führte schon an rostroten Spundwänden vorbei, ein Trost war dort das frische Rot der rankenden Blätter. Nur wenig später, und auf derselben Straße, laufen wir an diesem Balkon vorbei. Sofort weckt das Vorgefundene unsere Hausverwalter-Seele. Wir fragen in unseren Gedanken, einer inneren Punkteliste folgend, katalogartig Kriterien unseres Berufs nacheinander ab. Wir würden sehr gern eine ausgewogene Entscheidung über wild angebrachte Katzennetze dringend entwerfen. Ist das eine Mietwohnung? Natürlich! Ist das eventuell eine Genossenschaftswohnung? Nein, eher nicht, hätte nicht ein Mitglied (ein Genosse) erweiterte Rechte ggü. einem ganz gewöhnlichen Mieter? So ein Recht auf eine ‘skurrile Außengestaltung’ des außen gut sichtbaren Balkons? Richtig, jeder Balkon ist irgendwie auch von außen gut sichtbar ans Haus angebracht, das ist ja der Sinn dessen. Wir grübeln noch eine Weile, und dann beschließen wir, wie ein chinesischer Philosoph zu denken. Einerseits wissen wir, dass wir uns hier nicht einzumischen haben, und das verschafft spontan eine recht erhebliche Erleichterung. Andererseits: konsequente Verfolgung des Rückbauanspruchs gegen den Mieter löst sofort törichte Gefühle aus, zumindest in uns. Ist es am Ende nicht besser, wenn wir doch nicht jedes Haus verwalten? Schließlich sind Katzen liebe, wichtige und tolle Weggefährten…

