Dez 22 2009

Berlin bei Nacht

thomas

In Mitte
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Nov 25 2009

Eine Gruppe “Junger Wilder” hat das B-Flat in Berlin-Mitte für sich eingenommen – und schön war’s

thomas
Diskokugel & Deckenbeleuchtung

Diskokugel & Deckenbeleuchtung

Verdientes Jubiläum: Dies ist der 100. erschienene Beitrag auf dieser Website. Danke an alle Leser. (25.11.09 – die Redaktion)

In der Rosenthaler Str. in Berlin-Mitte ist seit vielen Jahren das B-Flat zuhause. Dabei handelt es sich um einen kleinen, übersichtlichen und gut betriebenen Jazzclub. Das Foto zeigt eine (irrtümlich eingebaute?) Disko-Kugel an der Decke sowie Teile der Wandverkleidung, die wohl auch aus Schalllenk- und Akustikgründen (gelocht) angehängt ist. Wer nur die Disko-Kugel vernimmt und sich gleich zuhause fühlt, sei dahingehend beraten, dass dies ein Irrtum sein kann. Fans dieser Stilepoche am Ende der siebziger Jahre (Fever, night fever, night fever, ahaaa…. Bee Gees, hoher Falsettgesang) sollten eher dahingehend überlegen, ob sie nicht lieber die  immer wiederkehrenden Auftritte der Berliner Kultformation Disco Inferno Berlin um den Liverpooler Bassisten Paul Hetherington im Quasimodo (Kantstr., Charlottenburg) heimsuchen. 

Indem die Betreiber des B-Flat in der Rosenthaler Str. eine Disko-Kugel an die Decke hängen, ist damit noch gar nichts über die stilistischen Heimsuchungen dieses Clubs ausgeführt. Ganz im Gegenteil: dieses Detail ist verwirrend, wenn es auch nett anzusehen ist und an der Decke sprinkelnd und sprenkelnd changiert.

Das Interieur des Clubs ist spartanisch und wohltuend gut geeignet, um nicht vom Wesentlichen abzulenken, das hier immer wieder -auch unter der Woche- stattfindet. Im B-Flat geben sich gute Musiker die Klinke in die Hand, um die Bühne zu stürmen. Und gute Zuhörer finden sich auch. Unter der Woche kann es schon mal dünn besetzt sein, sagen die Betreiber des ambitionierten Geschäfts. Das war gestern Abend eindeutig nicht der Fall. Ob es an der wohlmeinenden, umfassenden Konzertankündigung als Veranstaltungstipp auf der Berliner Website blackbirds.tv (Anmerkungen zur Berliner Musikszene) lag? Die Website hatte lange voraus am 13. Oktober das Konzert als Geheimtipp angekündigt.

Nein, es war gut besucht, als die Wahl-Amsterdamerin Julia Oschewsky mit ihrer ‘jünglichen’ Begleitband auftrat, und laut Julia Oschewsky wäre sie ohne ihre Jungs ‘gar nix’. Was man allerdings zwar nicht fest und steif behaupten muss, aber wozu man sich seinen Teil denken kann. Die Jungs sind klasse, das stimmt. Und doch ist die Welt ein bisschen ungerecht, und es kann gar keine Frage sein, dass diese junge Ausnahmesängerin auch andere Musiker fände – wenn sie nur wollte. Will sie aber nicht.

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Nov 8 2009

In Berlin wurden die Götter zeitweise ausgetauscht, aber einer darf noch dort residieren: Karl Marx

thomas
Karl-Marx-Allee/Ecke Straße der Pariser Kommune

Karl-Marx-Allee/Ecke Straße der Pariser Kommune

“Ich erinnere mich immer noch an diese Wärme und Herzlichkeit” (Wladimir Putin, russischer Ministerpräsident, Pressemeldung vom 08.11.2009, über seine Zeit in der DDR von 1985 bis 1990) – hier

Ja, die Zeiten haben sich geändert. Nichtsdestotrotz weht ein geschichtlich bedeutsamer Hauch der Historien um die windige Häuserecke am Hause (vormals Stalinallee) Karl-Marx-Allee/Ecke Straße der Pariser Kommune. Das kleine, unbedeutende Fleischimperium BLOCK HOUSE hat zwei Werbeschilder im 90-Grad-Winkel an die verflieste Häuserfassade anschrauben lassen. Man bekommt dort Steaks in verschiedenen Größen. Darunter ist das rote Sparkassen S mit Punkt drüber angeschraubt. Beides als Leuchtreklamen, auch nachts in Betrieb. Ansonsten ist hier die gelebte Geschichte sehr gut durchrestauriert. Es sind ehemalige Arbeitertempel im Zuckerbäckerstil, die nach der Wende inzwischen größtenteils durchsaniert wurden. Es war schwierig, die Fassadenfliesen, die hier verwendet wurden, wieder nach zu beschaffen. Denn die DDR war bankrott.

Gebaut wurden die Häuser in den 1950-er Jahren (1952-1956), während Stalin bekanntlich 1953 verstarb. Seit dem 13. November 1961 heißt die Straße hier Karl-Marx-Allee. Davor gab es -nur für einige Zeit- einen bärtigen Georgier, der als Gott aller Kommunisten galt und namensgebend Einfluss nahm. Josef Stalin bekam den Straßennamen gewidmet zu seinem siebzigsten Geburtstag am 21. Dezember 1949. Weil er schon kurze Zeit nach seinem Tode (zu recht) in Ungnade fiel, benötigten gleichwohl die moskautreuen Nachkriegssozialisten noch mehr als sieben Jahre nach dessen Tod, um den Erfinder des Wissenschaftlichen Sozialismus Karl Marx an Stelle Stalins zum Namenspatron zu erwählen. Inzwischen hatte sich eingebürgert, der verwendeten Fassadenfliesen wegen von ‘Stalins Badezimmer’ zu sprechen. Gut zu wissen: Als Berolinismus wird ein nur in der Berliner Umgangssprache üblicher Begriff bezeichnet, wir kennen noch die Schwangere Auster, den langen Lulatsch und die Goldelse als vergleichbare Berliner Unikate.

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Nov 7 2009

20 Jahre Mauerfall: Am 07.11.2009 war am Brandenburger Tor die Hölle los – wie 20 Jahre zuvor!

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Thomas Gotthal - Domino Day 2009

Thomas Gotthal - Domino Day 2009

Heute war ist am Brandenburger Tor die Hölle los. Es war wieder, wie vor 20 Jahren (am 07.11.1989). Wer im Osten der (vormaligen) Republikhauptstadt am Brandenburger Tor stand, war einfach nicht in der Lage, gen Westen zu laufen. Am 09.11.1989 abends änderte sich das. Günter Schabowski, Politbüromitglied, verlas in einer Pressekonferenz seinen Spickzettel, wie immer hemdsärmelig, ein bisschen fahrig und relativ unkonzentriert. Erst eine Nachfrage eines Journalisten, der die fahrige Verlesung nicht richtig verstanden hatte, ergänzte dann die Meldung um den fraglichen Zeitpunkt, ab wann derartige Reisen in das ‘nichtsozialistische Ausland’ erlaubt seien: Er gehe davon aus, dass dies sofort der Fall ist. Sprachs und die Deutsche Demokratische Republik ging unter.

Zu den bevorstehenden 20-Jahr-Feierlichkeiten am 09.11.2009, in zwei Tagen, übermorgen, haben sich viele etwas ausgedacht. Eine Idee ist, eine Reihe von sagen wir 1.500 Dominosteinen aufzustellen, die von einer Vielzahl von Menschen gestaltet wurde und die am Abend des 09.11.2009 symbolkräftig als Dominosteinkette ins Umfallen gebracht wird. Auf dem Stein, den die Internetfirmen Mr. Wong und Facebook gemeinsam gestaltet haben, ist nun (ganz oben rechts) auch ein von Thomas Gotthal gefasster Spruch zu lesen.

” Erst muss noch die Mauer in unseren Köpfen fallen, einig Vaterland.”

20 Jahre Mauerfall - 07.11.2009

20 Jahre Mauerfall - 07.11.2009

 

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Sep 28 2009

In der Schönhauser Allee steht das Ableton-Haus, oder “house”, “ambient”…?

thomas
Schönhauser Allee 6-7, Berlin-Mitte

Schönhauser Allee 6-7, Berlin-Mitte

Wenn wir auch in einem vorigen, ebenfalls heute erschienen Beitrag darüber nachgedacht haben, ob das Schönhauser Tor zugleich auch ein Tor zu unserer neuen Bürowelt sein könnte, so findet sich doch wenige Häuser weiter, die Schönhauser Allee rauf, noch was ganz anderes. Das lässt sich mit Glam & Gloria in Edelstahl-Spiegel-Look nur wenig vergleichen. Das Haus Schönhauser Allee 6-7 beispielsweise. Dabei handelt es sich um ein Gewerbeanwesen, vermutlich ohne menschliche Bewohnung, allein nur zu Gewerbezwecken. Wir wissen es gar nicht mal so genau, ist ja auch wurscht. Aber, und das wussten wir bislang nicht, hier ist die Ideenfabrik der Berliner Softwareschmiede Ableton, eine Aktiengesellschaft mit Hang zum besseren Live-musizieren. Software und livemusizieren? Passt das zusammen? Natürlich passt das zusammen. Die relativ innovative Firma fertigt neben weiterer vor allem die sehr erfolgreiche Software LIVE, die mittlerweile in 10-stufigem Update erfolgreich, fehlerfrei und gar nicht  “buggy” läuft.

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Sep 28 2009

Am Schönhauser Tor in Berlin-Mitte ‘schwarz-gelb: nein, danke’ wurde nicht erhört

thomas
Gelb-schwarz: nein danke! Am Schönhauser Tor

Gelb-schwarz: nein danke! Am Schönhauser Tor

Am Wahlsonntag sitzt der Berichterstatter an der Schönhauser Allee, Ecke Torstr. in Berlin-Mitte. Es ist herbstliches Sonnenwetter. Dieses Eckhaus wird das “Schönhauser Tor” genannt und es blitzt und funkelt in der Nachmittagssonne. Schön ist es hier an der Ecke. Es herrscht ein geschäftiges Treiben. Einen Moment überlegten wir, ein Pärchen zu fotografieren, die man so als “Szeneleute” bezeichnen könnte. Sie stehen an der Ampel mit ihren Fahrrädern und warten auf grün. Alles andere wäre auch lebensmüde, denn es ist viel Verkehr. Er hat einen Chopper als Fahrrad mit einer langen Vordergabel und kurzgeschorene, hochgegelte Haare (Sturmfrisur). Sie ist bunt, witzig und schillernd. Ich verwerfe den Plan, sie zu fotografieren, denn ich müsste sie fragen, und das ist mir jetzt zu viel.

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Aug 14 2009

Berlin hat eine neue Hauptdarstellerin: das Deutsche Currywurstmuseum

Elke Pohl
Deutsches Currywurstmuseum - Foto: Elke Pohl

Deutsches Currywurstmuseum - Foto: Elke Pohl

Zwei Tage vor der Eröffnung des Deutschen Currywurst Museums am 15. August ab 12.00 Uhr konnte mugshooting.de ein Pressegespräch und ein Preview in den künftigen ‘Hallen der Wurst’ wagen. Warum nun gerade dieser Tag, denn am 13. August wurde ein großes Kapitel deutscher Geschichte geschrieben? Dem Gedenktag des Berliner Mauerbaues zum Trotz erschien eine beachtliche Menge Journalisten. Das Interesse muss groß sein, eventuell geht es “um die Wurst”. Immerhin stellt die Imbissbude einen Ort grundsätzlich tiefendemokratischer Kommunikation dar. Während einer an der Wurstpelle ‘zuzelt’, leckt ein anderer Mayonnaise vom Pommes-Teller, und ein Dritter kommentiert das Kiezgeschehen, während er durstig an einem warmgemachten Kakao nuckelt. Daher darf man die Eröffnung eines derartigen Museums durchaus am 13. August eines jeden, weiteren Jahres der geneigten Presse vorstellen.

Nach mehreren Jahren konnte der Initiator und Kurator Martin Löwer jetzt sagen: “Eine Idee hat ihr zuhause” gefunden. Das Deutsche Currywurst Museum ist ein besonderer Beitrag zur Bereicherung des Erlebnisses Berlin, sagt Löwer. Es verbinde auf unterhaltsame Weise Spaß, Erlebnis und Wissenszugewinn. Die Frage, ob in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise gerade jetzt die Zeit richtig sei für ein derartiges Debüt eines frühen, berlinspezifischen Fast-Food-Produkts sei, beantwortete Martin Löwer:

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Jul 15 2009

Der silberne Reiter – Es ist nicht Peter Fechter, der uns erinnert. Es ist der Soldat Hans Conrad Schumann!

thomas
Soldat der Nationalen Volksarmee (Quelle: unbekannt) - 1961

Soldat der Nationalen Volksarmee (Quelle: unbekannt) - 1961

Es ist eines jener Fotos, die Zeitgeschichte schrieben. Derartige Fotos gibt es nur wenige. Dieses jedenfalls gehört zu den wichtigen Dokumenten der Zeitgeschichte. Und äußerst selten nur gelingt ein solches Abbild der Wirklichkeit mit nur einem Klick. Ja, da haben sich die Zeiten doch nicht so sehr verändert: Es bleibt dabei, ein Klick entscheidet in Jahrzehnten, die darauf folgen, ob ein Mensch zur rechten Zeit gehandelt hat. Das kann ein Springer sein, der über einen Stacheldraht hüpft. Das kann genauso gut ein Fotograf sein, der einen hüpfenden Soldaten der Nationalen Volksarmee im rechten Moment einfängt, it’s just a click and You can feel yourself in the middle of nowhere. Viele Berliner denken bei dem hier gezeigten Foto stets nur an den Namen von Peter Fechter. Er war ein 18-jähriger Soldat der Nationalen Volksarmee und fing sich tödliche Gewehrsalven ein. Er verblutete im Niemandsland zwischen Berlin (West) und (Ost), abgeschossen wie ein Hase auf der Flucht vor dem Fuchs. Jahre später verfing dieser Vergleich, und der Berliner SFB-Journalist Lothar Loewe sagte Worte in der Tagesschau vom 21.12.1976, die ein innerdeutsches Fettnäpfchen darstellten, er sagte wörtlich:

zitatHier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen.”

1977 schrieb Loewe diese Erinnerungen nieder in dem Buch “Lothar Loewe: Abends kommt der Klassenfeind.“. Nun gut, heute ist Lothar Loewe, Baujahr 1929, schon sehr alt. Aber in vielen bundes(west)deutschen Regalen stehen diese Erinnerungen noch, gegen das Vergessen, sicherheitshalber.

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Jun 21 2009

Oh, Otto… Ostfriese in Berlin-Mitte gesichtet!

thomas
Oh, Otto!

Oh, Otto kommt!

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Es war still auf den Straßen Berlins. Irgendwo kräht kein Uhu. Doch da: In der Inselstr. im Berliner Bezirk Mitte schaut uns ein ostfriesischer Götterbote entgegen, der auch größere Dinge problemlos stemmen kann. In diesem Fall ein Ottifantenburger Tor. Er vergreift sich damit an einem der wenigen nationalen Heiligtümern der Bundeshauptstadt:  Otto Waalkes kündigt die Heimsuchung Berlins an.

Aufgeklebt ist ein additional sticker. Denn Otto muss Zusatzkonzerte geben, aber nicht, weil er nicht rechnen konnte und der Gastspielort seines Auftritts ein Jugendheim war, in das nur fünfzig Zuschauer rein passten. Ein Echo rief Hallo Echo, und schon bevor sich der Saal zu füllen begann, rief ein tausendfaches Hallo Otto zurück. Das erklärt die Frisur des friesischen Kultbarden und die nun anberaumten Zusatzkonzerte.

Otto ist ‘born to be live’ und könnte es auch lassen, vermutlich. Der blonde, hochgewachsene Mann hinter rüssl räckords dürfte bereits genug für die hohe (Water-)Kante eingespielt haben und könnte sich ein volles Friesenhaus in Leer ohne weiteres auch ohne Bausparvertrag leisten. Will er aber nicht. Offenbar wegen großer Nachfrage gibt es auch Zusatzkonzerte. Richtig: (auch) Otto ist eine Art Nationalheiligtum (nicht nur) der Ostfriesen und schafft es auch heute noch, jede denkbare Spielstätte mehrmals hintereinander und so lange auszuverkaufen, bis Daddy und Son Father Bull down runnen und ‘f*ck one of them’ spielen. Der Mann hat weiterhin einen Schalk im Nacken und nen Käppi uffm Kopp mit Flügeln oben dran. mugshooting.de wünscht dem ostfriesischen Götterboten viel Erfolg bei den anstehenden Auftritten.
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Jun 1 2009

Berlinarchitektur mit Verfallsdatum – die Volksbühne bietet provisorisches Theater an

Elke Pohl
Agora - Berliner Volksbühne

Agora - Berliner Volksbühne

Von Elke Pohl

Erst am 14. Mai 2009 berichtete der TIP, das Stadtmagazin, von einer aus der Not geborenen Idee. Weil die Volksbühne Berlin saniert wird, wird während des Umbaus Stand up-Komödie, nein klassisches Theater, in einer Art Holzverschlag vor der Volksbühne dargeboten.

Kommt man nach langer Zeit an einem Ort vorbei, den man ewig lange nicht besucht hat, dauert es einige Zeit, sich zu orientieren. Was ist das? Ach, das ist neu, war hier vorher nicht…, ja was stand vorher eigentlich hier? Das Neue wird man auf lange Zeit immer wieder sehen und als Orientierungspunkt speichern.

Anders mit der Agora vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die eigentliche Spielstätte, die Volksbühne, hatte seit ihrer Eröffnung 1914/1915 dies Motto. ‘Die Kunst dem Volke’. Nun wird sie saniert. Wohin also mit dem Volk? Bert Neumann, der Chefbühnenbildner der Volksbühne hatte eine geniale Idee. Nach seinen Vorstellungen entstand ein Amphitheater mit der klassizistischen Fassade der Volksbühne als Kulisse. Es bietet für ca. 400 Zuschauer Platz auf den stufenweise ansteigenden, halbrunden Sitzreihen. Bis Ende August soll die ‘Sandspielstätte’ genutzt werden. Über das laufende Programm kann man sich externer Hyperlink hier informieren. Wer nicht Platz nehmen möchte, hat Gelegenheit, sich auf der Agora unters Volk zu mischen. Draußen gibt es Bratwurst, Laugenbrezeln und vielleicht griechischen Wein. Auf alle Fälle aber jederzeit die Möglichkeit, sich mit den Anwohnern über externer Hyperlink die vermeidbaren Lärmbelästigungen der provisorischen Spielstätte zu streiten. Es gibt eine Bewohnerinitiative, die sich gegen die emotional ‘zu lauten Darbietungsversuche’ der Spielstätten-Betreiber zur Wehr setzt. Typisch und auch bemerkenswert aber ist, dass bei den zuständigen Ämtern und Behörden noch niemand von Beschwerden gehört haben will. Haben wir es am Ende erst einmal mit Bewohnerinitiativen zu tun, und zweitens gar nicht erst mit gewissen Vorläufen an Beschwerden und dem Versuch, angemessen zwischen Kulturinteresse auf der einen Seite und Bewohner-Nachtruhe auf der anderen Seite zu vermitteln? Das wäre doch schade, aber für Berlin auch nicht ganz untypisch.

***

Im Oktober soll sie dann wieder verschwinden, die außergewöhnliche, aber provisorische ‘Architektur auf Zeit’ in Berlin-Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz. Der Name erscheint uns dabei als Programm: externer Hyperlink Rosa Luxemburgs sterbliche Überreste, so wissen wir erst seit wenigen Tagen aus der Presse, fand sich in den Asservatenkammern der Berliner Charité. Der oberste aller Sozialisten, Gregor Gysi setzt sich als Mentor der Ermordeten für die baldige Überführung ins ordentliche Grab ein.  Anders wird es der Agora ergehen, die von vornherein nur begrenzte Zeit existiert. Post mortem wird niemand mehr über die Agora sprechen, so ist es zumindest zu vermuten. Dann ist die Volksbühne wieder zu neuem Glanz gekommen.

externer HyperlinkArtikel auf Berlin-Online


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