160/10: Foto.Podcast: Kammermusiksaal am 18.04.2010 – Das Zauberflötchen auf dem Spielplan
Kammermusiksaal Zauberflötchen, klassische
Musik für Kinder im Eventerzählstil

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Kammermusiksaal Zauberflötchen, klassische
Musik für Kinder im Eventerzählstil

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Wir haben es immer gewusst. James Brown war ‘the sex machine’. Eher etwas preußisch nimmt sich dagegen der am Spreequell gelegene Bodensatz der überaus reizvollen
Berliner Philharmoniker aus. Dies wusste schon Architekt Hans Scharoun. Und berücksichtigte es in der Bauplanung. Lange Zeit vor dem berühmt gewordenen Harold Bloomingdale Potter aus England entwarf der begnadete Grand Signeur des Bauens diese ‘Kammer des Schreckens’! Der Einfachheit halber ließ er Anlage 5 (sprich: fünnef) auch gleich mit einbauen. Früher wurden Etats noch ohne Baukostenüberschreitung gesprengt. Oder doch nicht?
Ordentlich beschriftet musste damals alles sein, und so ist es auch noch heute. Anlage 5 war damals technisch sowas von ‘up to date’ – in dieser Zeit noch äußerst selten wurde bereits in Stereo geplant und dann erst recht auch ausgeführt: die Behandlung der Philharmoniker kam nicht dem Schweigen der Lämmer gleich. Unklar ist heute, in welcher Reihenfolge deren Bearbeitung geplant war? Denn die Bedienungsanleitung wurde verlegt. In Ausstellungsvitrinen der Philharmonie zeigt man noch heute das lächelnde, freundlich zugewendete Schwarzweiß-Foto von Herbert von Karajan, nicht ohne an die Folgen des heimlich aufgenommenen Fotos zu erinnern. Richtig sei Gerüchten zufolge, dass dieses so seltene Lächeln durchgefallenen Musikern galt, und nicht etwa einem freundlichen Teamwork. Der Fotograf musste weitgehenden Zorn des Maestros ertragen, der niemals in netter, zugewendeter Mimik abgelichtet werden wollte. Ein klassischer Musiker ist immer ein ernster…. (siehe hierzu weiter unten, Foto Nr. 2)
Für den Rest sorgt die
Deutsche Bank – sponsored by…. Wie hatte doch Marius-Müller Westernhagen einst unvergessen getextet: ‘Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die, die hat das Geld!’ Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz!
Doch nun zu was ganz anderem: In der aus zwei Kammern bestehenden Musikermaschine (Abbildung oben) werden zunächst oben rein alle Musiker geschüttet. Dann fallen sie von dort auf eine Art Schüttelrost, werden durchgeschüttelt, um dann in ein Flusensieb aus Alcantara-Filzwolle zu taumeln. Dort erfolgt die eigentliche Filterung und hinterher eine Komplettbürstung mit echtem Rosshaar. Richtige Rockmusiker fallen gleich durch und werden unten wieder rausgeworfen. Jazzmusiker rieseln filigran in Abzweigschächte, um Libretti der Zuversicht zu spielen. Manch einer verspielt sich dort und fällt auch deshalb durch das engmaschige soziale Netz.
Die ganz klassischen (Musiker) werden sofort in Kammer Zwo (des Schreckens) rein gepustet. Dort erhitzt man sie auf achtzig Grad, indem James Brown und Earth, Wind & Fire ohral (medizinischer Fachbegriff für in die Ohren einträufeln) eingeflößt werden. ‘Every man has a place, in his heart, in his face….’ (Fantasy, Earth, Wind & Fire). Auch in der Berliner Philharmonie gelten strenge Gesetze des Schweigens und der Betriebsgeheimnisse.
Fest steht aber zweierlei: Zum einen ist die Philharmonie auf jeden Fall einen Besuch wert, auch schon wegen dieser in Europa wohl einmaligen, gewissenhaften Vorbereitung der Mitmusiker zum ausführlichen Ensemble-Spiel. Und zweitens hat es noch nie geschadet. Die Berliner Philharmonie öffnet derzeit auch ausführlichste Multimedia-Kanäle, um Stereo- bis Dolby Sourround-Konzerte via Internetz in alle Welt zu verkaufen. Whow!
Viel Harmonie in der Wüste.
Viel Harmonie minus drei Grad.
Viel Harmonie ohne Palmen.
Campari auf Tahiti, Bitter Lemon auf Hawai.
(Frei nach ’Monotonie‘, Ideal, Berlin, 1982)
Viel Harmonie in der Ödnis. Philharmonie am Potsdamer Platz. Der Potsdamer Platz ist keine Wüste mehr, war es aber lange, lange, lange. Sehr lange. Gleich nach dem Krieg verkam der Platz zur Steppe. Jetzt finden es die Vögel besser, sich auf den Schornstein der Philharmonie zu setzen, anstatt von Prof. Kleihues Monströsbauten abzustürzen. Auch Vögel haben ein Gleichgewichtsorgan. Deshalb fallen sie auch nicht von der Stange.