Apr 6 2009

Der Rechtsanwalt und der Wanderer….

thomas
Arbeitsplatz, Café Einstein - 06.04.09

Arbeitsplatz, Café Einstein - 06.04.09

Ein Rechtsanwalt hat einen Auftrag bekommen. Es geht darum, einem Wohnungseigentümer streitig zu machen, dass dieser von zuhause aus arbeiten darf. Er betreibe dort eine ‘ganz intensive’ Büronutzung, und das sei unzulässig. Der Rechtsanwalt schreibt Schriftsätze, dass sich die Balken biegen. Er hat wenig Fakten an der Hand, und deshalb muss die Tochter seines Mandanten Beobachtungs- und Haushaltswochen absitzen, während Rechtsanwalt 2.0 dem Gericht erklärt, was eine ’intensive Büronutzung’ ist. Peinlich, dümmlich und unintelligent sieht das aus. Spießbürgerlich, muffig und abgeschmackt. mugshooting.de hat jetzt einmal ein bisschen genauer recherchiert, wie sich die Sache mit der Büronutzung heute in Wirklichkeit verhält.

Die konventionell Denkenden stricken sich Theorien. Sie erwarten, dass ihre Theorien als ‘gewöhnliches Gedankengut’ in den juristischen Bahnen der Gerichte als Saat aufgehen. Sie schwadronieren über die Tätigkeiten der Büromenschen, und wie sie sich gestaltet. Doch gewöhnliche, bürgerliche Existenzen wissen nichts vom Reichtum verschiedener Arbeitsformen. Noch viel weniger verstehen sie vom technologischen Fortschritt und wie sich ganze Berufsbilder massiv verändern. Du musst mal einen Vormittag im Café Einstein in der Kurfürstenstr. in Berlin-Schöneberg sitzen. Es gibt Sylter Frühstück: Krabben nach Art des Hauses, frisch mit Gürkchen, dazu geräucherter Lachs mit Zitrone und Meerrettich. Hmmmmmhhhhhhh……ich arbeite übrigens gerade.

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Mrz 27 2009

Die ‘Potse’ war noch niemals clean…

thomas

Potsdamer Str., Ecke Kurfürstenstr.

Die Potsdamer Straße, wo die miesesten Nutten Berlins ihr Revier haben, war nur rund 200 Meter vom Babystrich auf der Kurfürstenstraße weg. Manchmal machten sie regelrecht Treibjagd auf Fixerinnen. Kriegten sie eine, dann kratzten sie das Gesicht zu Hackfleisch.“ Tagesspiegel,  Druckausgabe vom 13.10.07)

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Die Straßenecke Potsdamer Str./Kurfürstenstr. in Berlin-Schöneberg war noch niemals ‘clean’. Sie ist seit Jahrzehnten eine ‘Schmuddelecke’.  Joseph Beuys erfand seinerzeit die  Fettecke, eine Art Zimmerecke, in der ein ranziges, altes Stück Fett (Butter) herumlag. Die Putzfrau kam und säuberte die Ecke, beseitigte das Fett. In einem Prozess einigten sich das Bundesland und der Künstler schließlich auf einen Schadenersatz von 40.000,- DM. Hätte Joseph Beuys die ‘Schmuddelecke’ Potsdamer Str./Kurfürstenstr. als Kunst geformt, dann hätte noch nicht mal die Putzfrau sie vermutlich reinigen wollen. So schmuddelig kam sie daher.

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Mrz 11 2009

Der Sozialpalast

thomas
Sozialpalast, Potsdamer Str./Ecke Pallasstr., Schöneberg

Sozialpalast, Potsdamer Str./Ecke Pallasstr., Schöneberg

„Man kann einen Menschen mit einer Axt erschlagen, aber man kann ihn auch mit einer Wohnung erschlagen.” (Heinrich Zille, * 1858, + 1929, genannt ‘Pinselheinrich’, berühmter Milieustudieur, Maler, Zeichner, Fotograf)

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Auf dem Grundstück Potsdamer Str. 172 (Hausnummernzählung seit 1930) befand sich einstmals der Berliner Sportpalast. Es handelte sich dabei um eine Veranstaltungshalle mit bis zu 10.000 Besuchern. 1943 rief hier Joseph Goebbels zum ‘Totalen Krieg’ auf. Bei einem der vielen berühmten Konzerte sprach sich hier der amerikanische Rockmusiker Frank Zappa für ‘evolution statt Revolution’ aus. 1973 wurde die traditionsreiche Mehrzweckhalle abgerissen für ein Wohnungsbauprojekt im öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbau.

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Feb 2 2009

Lidl lohnt sich – auch als Parkplatzfläche

thomas
Lidl-Parkplatz, Schöneberg, Hauptstr.

Lidl-Parkplatz, Schöneberg, Hauptstr.

Die Zeit rast dahin. Wir wissen von -sagen wir- älteren Generationen vor uns aus deren Erzählungen, dass sie sich beispielsweise noch zum Tanztee trafen. Wir selbst hatten Mitte der Siebziger und bis in die Achtziger hinein Teestuben, aber dort lief Led Zeppelin, es roch nach Pachouli und die Luft war auch sonst eigenartig rauchgeschwängert.  1935 geborene Berliner waren 1957 22 Jahre alt und durften gerade erst weggehen, und da war eben Tanztee Usus. Man war seinerzeit erst mit 21 Jahren volljährig. Ein schicker Treff war seinerzeit der  Prälat Schöneberg, ein hässlicher Bau (Baujahr 1938) auf dem Grundstück Hauptstr. 30-33 in Berlin-Schöneberg. Irgendwann gab der Prälat seinen Geist auf, das ist noch gar nicht mal so lange her. Wir erinnern uns, dass wir als Mitarbeiter der  DEGEWO jüngster Nachrücker im Betriebsrat wurden. Mit ca. 22 Jahren eine kämpferische Rede vor 300 bis 400 Mitarbeitern zu halten und zu behaupten ‘Unter den Talaren weht Muff von 1000 Jahren!’, das war nicht leicht. Betriebsversammlungen dieser Art gab es viele im Prälat Schöneberg, aber da war der Tanztee längst in die Jahre geraten. Wer mag schon gerne Hazy Osterwald? Oder diese ganzen Schlagerfuzzis von früher? – So gesehen ist es ja nicht mal schlecht, dass das Ding einfach überwiegend abgerissen wurde. Erhalten sind nur zwei unter Denkmalschutz stehende, alte Ballsäle. Nun ist Gott sei Dank ausgeschlossen, dass sich derartiges wiederholt! 

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Jan 19 2009

Der Potsdamer Platz führt nicht nach Jerusalem!

thomas
Potsdamer Platz

Potsdamer Platz

Was ist am Potsdamer Platz denn das Schöne? Ich meine, für uns Berliner? Irgendwie ist er eher ein Nadelöhr, durch das in großen Mengen Verkehr durchfließt. Wer sich dort fußläufig aufhält, muss sich dieser Tage warm anziehen. In Häuserschluchten wie diesen zieht es ungemütlich.  ‘Verkehr am Morgen, verkehrter Verkehr, sie liebt nur deinen Namen, doch dein Gewehr ist leer!’ (Spliff, 1982, Song: Jerusalem, Album 85555). Die hochfrequentierte Ausfallstraße am Ende der Potsdamer Str. schlängelt sich durch die hohen Häuserschluchten am Potsdamer Platz.  Vom Vermietungsausfallrisiko haben wir hier schon berichtet. Wenn infolge der globalen Wirtschaftskrise die Mitarbeiter der angestammten globalen Firmen arbeitslos würden, was natürlich nicht passiert, hätten sie wenigstens einen adäquaten, wetterfesten Unterstand. Am Bahnhofsvordach Potsdamer Platz treiben sich schon jetzt des Öfteren Obdachlose rum. Dahinter übernachtet die Schickeria der Welt im Otto-Beisheim-Center. Und dennoch werden auf den Plakatwänden nicht Edelstoffe und Seidenflakons angeboten, sondern eine schwedische Textilverkaufskette preist Cardigan für 49,90 € an. Das lässt sich gerade noch bezahlen.

Städtebaulich fehlt uns im nach Westen gerichteten, ehemaligen West-Teil der Stadt die gelungene Fortsetzung dieses prosperierenden Mekkas der marktwirtschaftlichen Möglichkeiten. Zu sehr hat die Potsdamer Str. im Westen -im Gegensatz zur Leipziger Str. im Osten- in den Jahren arg gelitten. Oder soll etwa das ehemalige Foto-Wegert-Verwaltungsgebäude an der Ecke Potsdamer Str./Kurfürstenstraße sich messen mit den Liegenschaften am Potsdamer Platz? Weit gefehlt. Doch darüber berichten wir ein andermal.

Wir reiten nach Jerusalem….

Spliff

Spliff

Video: Spliff auf Youtube


Jan 12 2009

In der ‘Kammer des Schreckens’ (Anlage 5)

thomas
In der Kammer des Schreckens.

In der Kammer des Schreckens.

Wir haben es immer gewusst. James Brown war ‘the sex machine’. Eher etwas preußisch nimmt sich dagegen der am Spreequell gelegene Bodensatz der überaus reizvollen Berliner Philharmoniker aus. Dies wusste schon Architekt Hans Scharoun. Und berücksichtigte es in der Bauplanung.  Lange Zeit vor dem berühmt gewordenen Harold Bloomingdale Potter aus England entwarf der begnadete Grand Signeur des Bauens diese ‘Kammer des Schreckens’! Der Einfachheit halber ließ er Anlage 5 (sprich: fünnef) auch gleich mit einbauen. Früher wurden Etats noch ohne Baukostenüberschreitung gesprengt. Oder doch nicht?

Ordentlich beschriftet musste damals alles sein, und so ist es auch noch heute. Anlage 5 war damals technisch sowas von ‘up to date’ – in dieser Zeit noch äußerst selten wurde bereits in Stereo geplant und dann erst recht auch ausgeführt: die Behandlung der Philharmoniker kam nicht dem Schweigen der Lämmer gleich. Unklar ist heute, in welcher Reihenfolge deren Bearbeitung geplant war? Denn die Bedienungsanleitung wurde verlegt. In Ausstellungsvitrinen der Philharmonie zeigt man noch heute das lächelnde, freundlich zugewendete Schwarzweiß-Foto von Herbert von Karajan, nicht ohne an die Folgen des heimlich aufgenommenen Fotos zu erinnern. Richtig sei Gerüchten zufolge, dass dieses so seltene Lächeln durchgefallenen Musikern galt, und nicht etwa einem freundlichen Teamwork. Der Fotograf musste weitgehenden Zorn des Maestros ertragen, der niemals in netter, zugewendeter Mimik abgelichtet werden wollte. Ein klassischer Musiker ist immer ein ernster…. (siehe hierzu weiter unten, Foto Nr. 2)

Für den Rest sorgt die Deutsche Bank – sponsored by…. Wie hatte doch Marius-Müller Westernhagen einst unvergessen getextet: ‘Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die, die hat das Geld!’ Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz!

Doch nun zu was ganz anderem: In der aus zwei Kammern bestehenden Musikermaschine (Abbildung oben) werden zunächst oben rein alle Musiker geschüttet. Dann fallen sie von dort auf eine Art Schüttelrost, werden durchgeschüttelt, um dann in ein Flusensieb aus Alcantara-Filzwolle zu taumeln. Dort erfolgt die eigentliche Filterung und hinterher eine Komplettbürstung mit echtem Rosshaar. Richtige Rockmusiker fallen gleich durch und werden unten wieder rausgeworfen. Jazzmusiker rieseln filigran in Abzweigschächte, um Libretti der Zuversicht zu spielen. Manch einer verspielt sich dort und fällt auch deshalb durch das engmaschige soziale Netz.

Die ganz klassischen (Musiker) werden sofort in Kammer Zwo (des Schreckens) rein gepustet. Dort erhitzt man sie auf achtzig Grad, indem James Brown und Earth, Wind & Fire ohral (medizinischer Fachbegriff für in die Ohren einträufeln) eingeflößt werden. ‘Every man has a place, in his heart, in his face….’ (Fantasy, Earth, Wind & Fire). Auch in der Berliner Philharmonie gelten strenge Gesetze des Schweigens und der Betriebsgeheimnisse.

Fest steht aber zweierlei: Zum einen ist die Philharmonie auf jeden Fall einen Besuch wert, auch schon wegen dieser in Europa wohl einmaligen, gewissenhaften Vorbereitung der Mitmusiker zum ausführlichen Ensemble-Spiel. Und zweitens hat es noch nie geschadet. Die Berliner Philharmonie öffnet derzeit auch ausführlichste Multimedia-Kanäle, um Stereo- bis Dolby Sourround-Konzerte via Internetz in alle Welt zu verkaufen. Whow!

Herbert von Karajan - seltenes Foto

Herbert von Karajan - seltenes Foto


Jan 12 2009

Viel Harmonie ….in der Wüste….

thomas
Schornstein Philharmonie

Schornstein Philharmonie

Viel Harmonie in der Wüste.

Viel Harmonie minus drei Grad.

Viel Harmonie ohne Palmen.

Campari auf Tahiti, Bitter Lemon auf Hawai.

(Frei nach ’Monotonie‘, Ideal, Berlin, 1982)

Viel Harmonie in der Ödnis. Philharmonie am Potsdamer Platz. Der Potsdamer Platz ist keine Wüste mehr, war es aber lange, lange, lange. Sehr lange. Gleich nach dem Krieg verkam der Platz zur Steppe. Jetzt finden es die Vögel besser, sich auf den Schornstein der Philharmonie zu setzen, anstatt von Prof. Kleihues Monströsbauten abzustürzen. Auch Vögel haben ein Gleichgewichtsorgan.  Deshalb fallen sie auch nicht von der Stange.


Mrz 24 2008

Sony Center in der Bredouille?

thomas
Detail Sony Center, Potsdamer Platz

Detail Sony Center, Potsdamer Platz

 02.03.09: Spam-Attacke von Server http://83.233.30.32 - Die Kommentarfunktion wird geschlossen, sorry!

Im Juni 2000 wurde das  Sony-Center am Potsdamer Platz bezogen. Nun geht es in andere Hände. Immobilienfonds der Bank  Morgan Stanley sowie die Investoren  Corpus Sireo (Köln/Düsseldorf) und  John Buck kaufen das Areal. Man fragt sich doch, ob Immobilien erworben werden, um Renditen abzuwerfen? Zwei verschiedene Überlegungen können gelten: (1) Es gibt eine nachrechenbare Strategie von Ankauf, Vermietung und Ertrag, bezogen auf den eingesetzten Kaufpreis und dem Wunsch, eine erquickliche Verzinsung des Kapitals zu erhalten! Das ist die eine Art zu denken. (2) Die andere Art zu denken ist langfristiger Natur. In ihr spielt weniger eine Rolle, ob Zins und Zinseszins errechenbar sind. Strategisch werden dort Immobilienportfolios aufgebaut, um sie in erster Linie liegen zu lassen. Dort, am Standort ihres gelagert Werdens, verzinsen sich die kühnen, spekulativen Träume vom Mehrwert in spe, in Bälde, also eventuell doch schon bald? Wenn nichts dazwischen kommt, weder Hausse noch Baisse, noch internationale Finanzkrisen, dann kann das Objekt der Begierde schon bald ein Vielfaches wert sein. So sind die Träume zwar erst mal blutleer und fiktiv, und es lässt sich kaum eine Beziehung zum gelebten Objekt aufbauen. Doch darum geht es ja auch gar nicht. Es geht um Penunse, Mücken, Renditen und Verzinsung.

Schon 2007 hatte Sony einen neuen Eigentümer gesucht. Während 2007 Kaufpreisforderungen von 800 bis 850 Mio. EUR ergebnislos verlangt wurden, schwieg man jetzt wohlweislich über den erzielten Kaufpreis. Überhaupt ist da Bewegung, am Postdamer Platz. Der Autokonzern  Daimler hatte schon im Dezember 2007 sein Areal an die schwedische  SEB-Bank übertragen. Und wenn auch die Eigentümer sich ändern, so gilt für die dortigen Platzhirsche unter den Mietern nichts anderes. Die  Deutsche Bahn (mit ihrem dortigen Deutsche Bahn Tower) zieht 2010 (jedoch ohne den Tower mitzunehmen) aus, um in den neuen Hauptbahnhof. Der Interessierte fragt sich indessen, wer wohl einen ganzen Tower wie diesen anmieten werde? Wir werden es sehen. Wenn flaue Zeiten kommen, wie befürchtet wird, hat der neue Eigentümer ein hausgemachtes Problem. Wichtig ist daher, dass er stark genug ist, es wegzustecken! In die Abschreibungen?

Draufsicht Sony-Center, Ensemble

Draufsicht Sony-Center, Ensemble


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