Münster, NRW: Die Liebfrauen-Überwasserkirche steht seit 1340 herum! Die Orgel ist neuer!

thomas
Orgel, Liebfrauen-Überwasserkirche Münster

Orgel, Liebfrauen-Überwasserkirche Münster

„Entweder es regnet oder es läuten die Glocken. Und wenn beides zusammen fällt, dann ist Sonntag“ (landläufige Redensart der Münsteraner)

Bereits 1040 wurde die erste Überwasserkirche in Münster geweiht. Diese fiel jedoch einem Feuer zum Opfer.

Im Jahre 2005 (n.Chr.) gehörten etwa 55% der Bevölkerung der katholischen Kirche an. 3% der Bevölkerung waren Muslime. Münster ist also eigentlich nicht “kreuz-katholisch”. Wer aktuell das Münsterland besucht, hört im Radio von einer Pro-NRW-Bewegung, der eine gewisse Rechtslastigkeit zugeschrieben wird. Ihr Ziel ist die Zurückdrängung der Muslime in Anlehnung an das jüngst durchgeführte Volksbegehren der Schweizer gegen den Bau von Minaretten. Zumindest die Überprüfung dieses Ansinnens in Münster ergibt keinen “muslimisch geprägten Stadtkern” und ein Dutzend bereits errichteter Minarette.  Nein, die Gegend ist “durch und durch deutsch”, sieht man einmal von vereinzelten Muslimen ausländischer Herkunft ab und insbesondere von einer Vielzahl von offenbar russischen Straßenmusikern, die an den Kirchplätzen um eine Apanage von Zuhörern buhlen.

Russische Straßenmusiker, Altstadt Münster

Russische Straßenmusiker, Altstadt Münster

Womit wieder die Verbindung hergestellt ist, zumindest ideell, zwischen Kirchenmusik, Neubau einer Orgel einerseits und der Liebe zur Musik in Verbindung mit dem Bestreiten eines notwendigen Lebensunterhalts durch russische Straßenmusiker in der Altstadt von Münster, andererseits. In der Überwasserkirche wurde die Kirchenorgel nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erst wieder 1972 eingebaut. Seitdem tut sie ihren sakralen Dienst beflissen im Dienste der göttlichen Wertschätzung.

Die Russen auf dem Trottoir der Altstadt tun ihren Dienst nicht weniger dienstbeflissen und artig spielen sie Stund um Stund all jene leichtgängigen Melodien, die uns zumindest für eine Weile noch gedanklich nachreisen, wenn wir ihre Melodie erkannt haben. Es sind Werke der weltumspannenden Trivialitätskategorie, Stücke, die man kennt. La Paloma, Besame Me Mucho und dergleichen, Lieder, die die Welt doch braucht angesichts des offenbaren Wohlstandsgefälles zwischen russischen Teilrepubliken, von wo die Russen kommen (Alarm, die Russen kommen!) und dem Bildungsbürgertum von Münster, öffentlichem Dienst, verbeamteten Existenzen mit gesichertem, pünktlichem Gehalt (Besoldung) und gleitender Arbeitszeit.

Münster ist die Stadt der Studenten, der Fahrräder und einer Vielzahl von öffentlichen Verwaltungen. Nichts scheint so sicher, wie zu leben in Münster. Die nicht in öffentlichen Diensten stehen, stehen in Diensten der Öffentlichen. Die einen waschen Wäsche für den kirchlichen Klerus, darunter Bettwäsche von mindestens 1,60 m Breite, auch für Kirchstudenten, die anderen Feiertagsgedecke für die kirchlichen Feiersäle. Die Kirchlichen, die leben gut, heißt es. Die Zahl der Kirchen ist beeindruckend.

Russische Straßenmusiker, Altstadt Münster

Russische Straßenmusiker, Altstadt Münster

Allerdings sollte sich niemand leichtfertig in die Position begeben, Münster sei ein Reliquienschrein in rein katholischer Lebensart. Wer sich tiefer in die Forschung betreffend Münster begibt, stellt schnell fest, dass es hier mächtig im Karton raschelte, was die Frage des richtigen Glaubens anging. Die Täuferbewegung von Münster war offenbar eine blutrünstige, und sie hatte zumindest unliebsame Folgen für deren Initiatoren, die später in Käfigen ausgehängt und zur Schau gestellt wurden. Allerdings wurden sie vorher noch mit glühenden Zangen gerissen und schließlich erdolcht.


Kirchenglocken-Video (via Youtube)


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