Amsterdam, mein Amsterdam – Gedanken einer deutschen Sängerin mit Wohnsitz in Amsterdam
Von Julia Oschewsky
Als ich 2003 nach Amsterdam kam, war es erst gar nicht so einfach und eigentlich stand fest, dass ich nach dem Studium gleich wieder zurückkehren würde nach Deutschland. Inzwischen sind allerdings sieben (!) Jahre verstrichen und -Hand aufs Herz- ich kann mir eigentlich gar nicht vorstellen, irgendwann wieder aus Amsterdam wegzugehen.
Nach dem Abschluss meines Masterstudiums in Amsterdam letztes Jahr und einem Auslandssemester zuvor in New York hat sich alles so wunderbar eingespielt- in Amsterdam. Hier hat sich alles so gefügt, wie ich es mir besser nicht wünschen kann. “I love my life! It’s so thrilling!” Was ich an Amsterdam so mag, ist dass man umgeben ist von Kult und Kultur. Es gibt unheimlich viele interessante Konzerte im Bimhuis oder anderen Spielstätten (bzw. “Locations”) und auch das Workshop-Angebot der Musikschule kann ich weiterhin nutzen. Auch wenn ich meine Familie sehr vermisse und immer seltener nach Hause fahre, hab ich mir hier etwas aufgebaut, dass für mich sehr wertvoll ist.
![]()
Julia Oschewsky Band – Escape forward (CD: Inner Game) – via Soundcloud
Das Foto oben zeigt das traditionsbeladene Concertgebow am Museumsplein (Museumsplatz). Alles was Rang und Namen hat, hat hier schon gespielt. Weltstars wie z.B. Wayne Shorter, Dianne Reeves und Bobby McFerrin, um nur einige zu nennen. Und wer weiß? Irgendwann einmal auch ich? Amsterdam in diesen Tagen, das macht ein bisschen übermütig und in solchen Gedanken zu schwelgen? Mein ganzes Glück in Amsterdam habe ich wie folgt zusammen gestellt:
Es beginnt bei meinen Freunden, meinen Schülern, privat bei mir zu Hause und in den Musikschulen, an denen ich unterrichte und endet schließlich bei meinen 4 Mitstreitern, meinen Bandkollegen. Alle vier sind (ebenfalls) nach dem Studium hier geblieben und meine Band konnte daher so bestehen bleiben und wir können weiterhin zusammen arbeiten, proben, kreative Sessions abhalten und natürlich spielen und auftreten. Auftreten und Studioarbeiten: Die Königsdisziplinen im Musik schaffen…
Im Moment geschieht das auftrittsmäßig mehr in Deutschland. Auch unsere CD Inner Game haben wir in Deutschland aufgenommen, mit ganz hervorragenden Leuten. Wir sind also viel, viel unterwegs, das schweißt zusammen, es klickt und ich bin sehr stolz, so gute und inspirierende Musiker um mich zu haben und dass ich sie für mein Projekt gewinnen konnte.
Im Sommer gibt es viele Möglichkeiten “zu chillen” in Amsterdam. Viele Parks, die Niederländer sind ein sehr „geselliges“ Völkchen! Der Sommer ist das Schönste! Das hat man sich nach den langen Wintern, es regnet leider sehr oft und viel, dann auch redlich verdient. Aber selbst an das „Fahrradfahren“ = fietsen (nl) durch Sturm und Regen gewöhnt man sich. Es gibt ja Regenhosen und Jacken. Auch das genieße ich, ich bin viel draußen an der frischen Luft und immer auf dem Rad unterwegs (Foto oben).
Mein Leben hier ist ein Gemisch aus unterrichten (ca. 2 Tage die Woche) und ganz vielen anderen Dingen. Am Anfang macht einem das Angst, weil man sein eigener Boss ist und alles regeln muss auf so vielen verschiedenen Gebieten. Ich bin nicht „nur“ Sängerin. Ich bin auch Managerin, Komponistin, Unternehmerin, Pädagogin, oft auch Psychologin, ich arrangiere, telefoniere, surfe, maile, übe, spiele, singe…..und so viel mehr. Aber mittlerweile genieße ich genau diese Vielseitigkeit. Es ist jeden Tag und jede Stunde anders und es bleibt spannend. Ich kann es mir mittlerweile nicht mehr anders vorstellen.

Inner Game (Plattencover)
Im Büro sitzen von 9-5 Uhr? Oh nein, das wär nix für mich.
Vor allem bin ich Mensch und das lässt sich in meinem Beruf als Künstlerin niemals verleugnen, all meine Ängste, Sorgen, Sehnsüchte….
All das macht meine Kunst auch zu dem, was sie ist. Ich bin froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Ich bin ein Stück dichter zu mir selbst gekommen, seit ich Musik mache, hab mich besser kennengelernt und das lässt mich Geschichten erzählen, wenn ich singe erzähle ich in meinen Liedern sehr verschiedene Geschichten, und alle haben sie komplett mit mir zu tun.
Einige persönliche Einschätzungen zu meinem musikalischen Werdegang und zum Jazz:
In der Heimat war man das „Sternchen“, der kleine „Star“, in Amsterdam ist man „eine unter vielen“; man muss sich erst einmal durchsetzen, dort zählen vollkommen andere Maßstäbe.
Mein Weg nach Amsterdam: eine riesengroße Herausforderung, dann sich im Jazz entwickeln, ohne mit ihm seit der Kindheit groß geworden zu sein. Jazz ist für mich immer das reinste Abenteuer. Ich finde, Jazz als Musikrichtung öffnet Kanäle und eröffnet den Zugang zu verschiedensten Musikrichtungen. Vom Jazz aus geht es in eine Menge Richtungen weiter, immer weiter. Eben kosmopolitisch und nicht an einen festen Punkt gebunden. Vagabundierend irgendwie.
Im Jazz nehme ich mir allerhand Freiheiten und nutze sie, um einen ganz eigenen, persönlichen Stil kreieren zu können und mit meinen Musikern zusammen zu experimentieren.
Jazzmusiker zu sein heißt, sich zu einer permanenten Entwicklung verpflichtet zu sehen: das bedeutet einen Druck, den man sich selbst auferlegt, aber auch die Möglichkeit, seine Liebe zur Musik zu leben. Jazz heißt Kommunikation und Improvisation. Über lange Zeit in einer Band zu spielen, lässt einen viel erfahren, gemeinsam kreativ wirken zu können und Ideen zu realisieren. Den eigentlichen Kick spüre ich, wenn ich eigene Kompositionen mit der Gruppe weiter entwickele und so ein neues „Kunstwerk“ entsteht mit großartigen Ideen und Hinzufügungen, auf die ich am Ende selbst nicht leicht gekommen wäre. Mit dem Ergebnis bin ich hochzufrieden und meinen Mitmusikern für ihre Mitarbeit sehr, sehr dankbar.
* * *
Julia Oschewky, Jahrgang 1981 (Mainz), Jazzsängerin mit Sitz in Amsterdam, Holland (Niederlande)
Biografische Eckpunkte:
- seit 1999 Gesangsunterricht
- 2002/2003 Gaststudium an der Musikhochschule Köln
- 2003-2007 Jazz-Gesangsstudium am Konservatorium in Amsterdam
- 2003/2004 zwei Tourneen mit Musical “Tommy” von The Who
- seit 2007 Mitglied im „BuJazzO“ Jugend-Jazz-Orchester der Bundesrepublik Deutschland
- 2007 Eigenkomposition und Aufführung des Jazz-Musicals „The Fringe“
- 2007 Abschluss des Bachelor Studiums am Konservatorium in Amsterdam
- 2007-2009 Master Studium auch am Konservatorium in Amsterdam
- 2008 Auslandssemester an der Manhattan School of Music in New York
- 2009 Abschluss des Master Studiums
- Mai 2009 Veröffentlichung des Debut Albums “Inner Game” bei Neuklang
- Seither selbständige Sängerin, Gesangspädagogin bei der Musikschule Amsterdam, in Haarlem u privat; Tourneen, internationale Konzerte mit eigenem Quintett und auch anderen stilistisch unterschiedlichen Formationen
Julia Oschewsky wird im Mai 2010 in Berlin in dem renommierten Jazzclub B-Flat ein Konzert geben. Wir empfehlen, Ende April auf der Berliner Website blackbirds.tv nachzusehen und dort die Concert Previews abzufragen.

- Homepage von Julia Oschewsky
- Profil von Julia Oschewsky (bei myspace)
- Julia Oschewskys CD Inner Game kaufen (via Neuklang)



April 16th, 2010 um 19:07
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Kreuzberg Tweets, Thomas Gotthal erwähnt. Thomas Gotthal sagte: Fotoblog | : Amsterdam, mein Amsterdam – Gedanken einer deutsche… http://www.mugshooting.de/weltweit/2010/04/16/amsterdam-mein-amsterdam/ [...]
April 16th, 2010 um 20:34
[...] | : Amsterdam, mein Amsterdam – Gedanken einer deutsche… http://www.mugshooting.de/weltweit/2010/04/16/amsterdam-mein-amsterdam/ 1 hr [...]
April 18th, 2010 um 13:37
[...] | : Amsterdam, mein Amsterdam – Gedanken einer deutsche… http://www.mugshooting.de/weltweit/2010/04/16/amsterdam-mein-amsterdam/ 1 day [...]
April 22nd, 2010 um 17:39
[...] | : Amsterdam, mein Amsterdam – Gedanken einer deutsche… http://www.mugshooting.de/weltweit/2010/04/16/amsterdam-mein-amsterdam/ 5 days [...]
Mai 13th, 2010 um 13:37
[...] Gastbeitrag von Julia Oschewsky – Amsterdam, mein Amsterdam (mugshooting.de 16.04.10) [...]
Mai 30th, 2010 um 16:59
[...] Partnerwebsite: Gastbeitrag von Julia Oschewsky zu ihrem Leben in Amsterdam [...]
Juni 1st, 2010 um 10:16
[...] Tulpen aus Amsterdam: Julia Oschewsky über ihren Wohnort [...]
Juli 2nd, 2010 um 16:38
[...] aktuellem Anlass: Immer auf die Holländer! Gastbeitrag von Julia Oschewsky (auf [...]
Juni 22nd, 2011 um 11:13
[...] Amsterdam, mein Amsterdam: Gedanken einer deutschen Sängerin mit Wohnsitz in Amsterdam [...]