Julia Oschewsky - Amsterdam´s Grachten (Foto: Privatarchiv)
Als ich 2003 nach Amsterdam kam, war es erst gar nicht so einfach und eigentlich stand fest, dass ich nach dem Studium gleich wieder zurückkehren würde nach Deutschland. Inzwischen sind allerdings sieben (!) Jahre verstrichen und -Hand aufs Herz- ich kann mir eigentlich gar nicht vorstellen, irgendwann wieder aus Amsterdam wegzugehen.
Nach dem Abschluss meines Masterstudiums in Amsterdam letztes Jahr und einem Auslandssemester zuvor in New York hat sich alles so wunderbar eingespielt- in Amsterdam. Hier hat sich alles so gefügt, wie ich es mir besser nicht wünschen kann. “I love my life! It’s so thrilling!” Was ich an Amsterdam so mag, ist dass man umgeben ist von Kult und Kultur. Es gibt unheimlich viele interessante Konzerte im Bimhuis oder anderen Spielstätten (bzw. “Locations”) und auch das Workshop-Angebot der Musikschule kann ich weiterhin nutzen. Auch wenn ich meine Familie sehr vermisse und immer seltener nach Hause fahre, hab ich mir hier etwas aufgebaut, dass für mich sehr wertvoll ist.
Sie hat viele Nachrichten aus Deutschland erhalten, und das via Internet nicht weiter problematisch. Lisa aus Potsdam, unsere Auslandsberichterstatterin mit Themenschwerpunkt Chile (Südamerika) in diesen Tagen, berichtet aus der erdbebengeschüttelten Region via Email. Zur Zeit des Haupt-Erdbebens trieb sie sich gerade in Valvidia herum. Das liegt etwa 700 km südlich von Margot Honeckers vermutlich letzten Wohnort, Santiago de Chile, entfernt. Man muss sich einmal folgendes klar machen:
Zeitzone “Die Zeitzone, in der Kuba liegt, ist UTC-5h, also die europäische Winterzeit (MEZ) minus 6 Stunden. Nach drei Jahren Pause gibt es seit Oktober 2006 wieder den jahreszeitlichen Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit.”
Diesem Paar sieht man auf dem ersten Blick nicht an, dass es tatsächlich ein kubanisches Paar ist. Woher haben sie die tollen Klamotten mit modernem westlichen Zuschnitt und auffälliger Farbgebung? Vielleicht haben sie Verwandte in Florida, oder eine Schwester arbeitet als Ärztin in Venezuela oder Bolivien. Dort machen junge Mediziner ihre Facharztausbildung. Verdienen harte Währung und können so ihre Familien unterstützen. Nach drei Jahren müssen sie zurück nach Kuba.
Doch harte Währung darf ein Kubaner offiziell nicht besitzen. Oder besser, er kann damit nicht mehr bezahlen. Im November 2004 ist der US $ in Kuba als offizielles Zahlungsmittel abgeschafft worden. Als Erklärung galt, es sei eine Reaktion auf den verschärften Wirtschaftskrieg der US–Regierung gegen das kubanische Volk. Der nun sowieso geschwächte Dollar kann mit einem Abschlag von mindestens 10 Prozent in konvertible Pesos, genannt CUC, umgetauscht werden. Das Gerücht, man nennt die kubanische Währung Kucuc(k), ist damit ausgeräumt. Wir sind in Währungsfragen unterwegs und auch in der Vergangenheit.
Geschätzte 11 Millionen Menschen (zu je einem Drittel europäischer, afroamerikanischer und gemischter Mulatten Abstammung) leben derzeit in Kuba. Neben Havanna gehört auch Trinidad (nicht der Inselstaat, siehe hier, das schrieb ich schon) zu den prächtigsten Kolonialstädten des karibischen Raumes. Nichts ist auf Hochglanz poliert, die Farben sind bereits längere Zeit schon verblasst, der Putz bröckelt, und doch haben die Städte dadurch nicht an Reiz verloren.
Sie bestechen durch ihren altmodischen, unverfälschten Charme. Im Januar 1959 marschierte Fidel Castro in Havanna ein und erwarb sich die Bezeichnung màximo lider. Er hatte wenig Vertrauen in diese glamouröse Großstadt. Die Städteplaner des besiegten Diktators Batista hatten ursprünglich vor, die halbe Stadt abreißen zu lassen. Parkplätze sollten entstehen. Ganz so, wie einstmals Ronald Reagan beabsichtigte, aus der DDR einen Parkplatz zu machen. Nun ist Reagan tot und die DDR auch, und deswegen wurde auch aus den Umbauplänen von Batista, was Havanna betrifft, nichts.
Der rasende, investigative Auslandskorrespondent unserer weltweit gültigen Website, Herr Erker, berichtete uns heute Morgen in aller Hergottsfrühe direkt aus Udon Thani (Thailand) in der Provinz Isaan. Wobei der liebe Gott, in dessen Frühe Erker uns berichtet, bei den Thais eher Buddha ist. Er spricht von einem Zwangsstopp.
Einer eingeschätzten asiatischen Mentalität zufolge, hatten freundlich dreinblickende Thais dem Reisewilligen die Streckendistanz vom Mekong nach Udon Thani mit einer Busfahrt von insgesamt vier Stunden erklärt und somit ‘ihr Gesicht gewahrt’, eine wichtige Präambel im zwischenmenschlichen Kontakt asiatischer Prägung. Zu diesem speziellen Problem, richtige, wissende Antworten von Auskunftspersonen zu erhalten, oder aber auch ein schlichtes ‘weiß ich nicht’, welches sich verbietet, mehr weiter unten.
Entgleisende Gesichtszüge vermeldet unser Korrespondent angesichts der tatsächlichen Reisezeiten. Schlecht nur das Vorhaben, zu einer bestimmten, fest verabredeten Zeit dort Freunde zu treffen, die zwischenzeitlich weiterfahren mussten. Das Meeting ging in die Hose. Unser Korrespondent entpuppt sich als nachreisender Nomade.
Wer an Kuba denkt, denkt sofort an Musik und Autos. Die Berichterstattung erstreckt sich hier über mehrere Gegenden, Städte und Enklaven im ländlichen Raum von Kuba. Die Fotos wurden in Santiago de Cuba, Havanna, Trinidad und auch anderswo aufgenommen. Allerdings hat Trinidad auf Kuba nichts mit dem karibischen Zwergenstaat gleichen Namens zu tun. Dennoch: Musik kann man auch auf Kuba überall hören, auf den Straßen und Plätzen, in kleinen Läden oder größeren Musikhäusern, und nicht nur in Havanna.
Es ist schon sehr interessant, in einem atheistisch oder agnostisch geprägten Land wie Kuba Weihnachten zu feiern oder es zumindest zu ahnen. 1969 ist das Weihnachtsfeiern von der kubanischen Regierung mit dem Vorwand, dass die gesamte Bevölkerung der Insel für die Zuckerkampagne mobilisiert werden müsste, verboten worden. Ziel war es, 10 Millionen Tonnen Zucker zu produzieren. Alle zur Verfügung stehenden Kubaner wurden von ihren sonstigen Arbeitsplätzen freigestellt, alle mussten auf die Zuckerrohrfelder und Weihnachten fiel -seit 1969- der Einfachheit halber aus. Die Kubaner erwirtschafteten nichtsdestotrotz nur 8 Millionen Tonnen Zucker. Von diesem Jahr an, feierten die meisten Kubaner den Heiligen Abend heimlich und hinter verschlossenen Türen. Gut 30 Jahre später werden schon mal Türen geöffnet und hin und wieder zeigt ein Kubaner sehr stolz auf den bunt geschmückten Weihnachtsbaum.
In Zürich, am Züricher See, hat ein Aktionskünstler sich ein paar grundlegende Gedanken gemacht. ‘Bei Finanzkrise Scheibe einschlagen’, steht da zu lesen, darunter ein rotes Glaskästchen und ein Hämmerchen, um die Verglasung kaputt zu schlagen. Dahinter ein Geldschein. Man vermutet, die Finanzkrise ist in der Schweiz noch nicht angekommen, oder jedenfalls nicht in Zürich am Züricher See. Denn alles hängt unversehrt da. Das nimmt auch kein Wunder, schließlich gehört die Züricher Umgebung zu den teuren Wohngegenden in der Schweiz. Eine weitere Idee ist so einfach wie bestechend.
Rolo Rodriguez (* Name von der Redaktion geändert – frei erfunden) ist 34 Jahre alt und von Beruf Taxifahrer. Das Autokennzeichen seines Taxis hat keinen Zusammenhang mit dem deutschen Akronym ‘HWG (häufig wechselnder Geschlechtsverkehr=Promiskuität)’, soviel ist festzuhalten. Und ob das Kennzeichen eine andere Bedeutung hat, ist für den Rest dieser Geschichte Wurst. Im Unterschied zu Rodriguez selbst ist sein Auto sogar schon wesentlich älter. Es ist einer jener Hochglanz-Lutschpastillen, die man zu lutschen mit Sicherheit gar nicht erst beabsichtigt. Eher lutschten älteren Vorstellungen zufolge auf der Hinterbank derartiger Prachtautos junge, sexversessene Pärchen mit heftigem Zungenschlag in der Mundhöhle des anderen und auch sonstwo. In den Siebzigern textete die Discoband Hot Chocolate dazu ‘Heaven is in the beackseat of my cadillac, let me take you there, yeah, yeah…’ Doch das war in Europa, genauer in Großbritanien. Womit wir daher in die Klischeevorstellungen westeuropäischer Teenies im Mittel der Siebziger Jahre angekommen sind und wo wir hier auf gar keinen Fall hin abweichen mochten.
In Havanna, der Hauptstadt von Kuba, kennt man den Hustinettenbär nicht. Er ist eine westdeutsche Erfindung (1970) und wurde deutlich vor dem Mauerfall eingeführt. Er verstarb allerdings inzwischen, wie auch hier berichtet wurde. Gleichwohl: Der Slogan ‘nimm den Husten nicht so schwer, jetzt kommt der Hustinettenbär’ gilt im ersten Halbsatz auch in Kuba. Schon seit ein paar Jahren ist Kuba und speziell Havanna mit der Geschichte der Musiker des Buena Vista Social Club untrennbar verbunden. Das ist Wim Wenders zu verdanken, der dazu Ry Cooder und dessen Sohn Joachim im März 1998 mit einem alten Motorradgespann durch Havanna hat fahren lassen. Das Ergebnis war ein dichter, atmosphärischer Musikfilm über das wahrscheinlich wichtigste Musikercomeback der letzten vierzig Jahre.
Die Musik macht einen sehnsüchtig und wehmütig zugleich. Wie das Stück ‘Dos Gardenias’, gesungen von Ibrahim Ferrer.
Verhalte dich ruhig - Inschrift in Oświęcim-Birkenau
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(Der SS-Oberscharführer Josef Klehr in seinen letzten Worten im Ausschwitz-Prozess – weiteres auch hier)
Alles war genau geordnet. Noch war an eine deutsche Rechtschreibreform nicht zu denken. Doch die Anrede der Beschriftung an dieser Wand war entgegen anderslautenden Rechtschreibregeln mit Bedacht klein gehalten: ‘Verhalte dich ruhig.’ – Das war keine Bitte, das war eine Anordnung. Wer sie missachtete, dem konnte sofort mit einem Gewehrkolben der Schädel eingeschlagen werden. Oder es gab einen Fangschuss. Von vorn ins Gesicht, oder von hinten. Egal. Was darauf folgte, war nur noch die Erledigung deutscher Gründlichkeit: Mit einem Eintrag ins Lagerbuch wurden Häftlinge ausgetragen, die aus lagerinternen Gründen (wie diesen) umgekommen waren. Zur Rechenschaft wurde erst einmal niemand verpflichtet. Man konnte in diesem Höllentreiben nicht gegen Dienstvorschriften dadurch verstoßen, dass man Menschen umbrachte. Das war das erklärte Ziel dieses Lagers. Die so genannten Auschwitz-Prozesse fanden erst ab 1963 vor dem Landgericht Frankfurt/Main statt. Diese Aufschrift (Foto oben) dürfte etwa aus dem Jahre 1941 (Neubau von Auschwitz 2 – Lager Birkenau) stammen.
Heinrich Himmler hatte die Endlösung der Judenfrage generalstabsmäßig vorbereitet, die Wannseekonferenz beschloss nur noch die Umsetzung dessen, was Himmler sich zuvor ausgedacht hatte. Mit dem neugegründeten (Erweiterungs-)Lager Auschwitz-Birkenau wurde 1941 in systematischer Weise der Völkermord technisch verwaltbar gemacht. weiter lesen